Wenn die Kirchtürme tanzen
Junge Kunst über Libori in der Königstraße
Junge Kunst ist über Libori im ehemaligen traditionsreichen Geschäftshaus-Brockmann an der Königstraße zu sehen. Durch die Unterstützung der Stadt Paderborn zeigen Studierende des Instituts Kunst, Musik, Textil der Universität Paderborn eine inspirierende Fülle aktueller Positionen in der Malerei. Prof. Dr. Jutta Ströter-Bender, Mit-Initiatorin der Ausstellung, dankte zur Eröffnung der Stadt wie dem Inhaber des Gebäudes, Herrn Brockmann, für die großzügige Unterstützung des Ausstellungsvorhabens. Es ermöglicht Kunst-Studierenden vom zweiten Semester bis hin zur erfolgreichen Absolventin, ihre wichtigsten Arbeiten der Paderborner Öffentlichkeit vorstellen zu können. Die Ausstellung verleiht zugleich dem Gang durch die Königsstrasse einen neuen, farbigen Akzent. Inhaltlich folgen die ausgestellten Malereien den aktuellen Tendenzen der zeitgenössischen Malerei zum Figurativen. Großformatige Gemälde in hervorragender Malweise, so von Ariane Temme, Elisabeth Peplinski, Daniela Kirsch stellen intensive Blicke auf Kinder, Jugendliche, Familien und Menschen in bewegten Gruppen dar. Irina Plem hat in lasierenden Farbschichten ihren Sohn bei der Gartenarbeit wiedergegeben, wie er mit ernstem Blick ein Bündel von Mohrrüben "zieht". In einer stillen Arbeit von Anne Dudei wird das Vorlesen eines Kinderbuches entworfen, der Zauber einer Geschichte spiegelt sich auf den Gesichtern der Kinder. Daniela Kortebusch stellt eindrucksvolle Stilleben zum gedeckten Tisch „des Südens“ vor, deren Arrangements in schillernder Farbigkeit Oberflächen und Strukturen in Ausschnitten zeigen. Das einstmals vorbelastete Thema „Deutscher Wald“ ist seit einigen Jahren wieder in die Malerei zurückgekehrt. Ingo Bruweleit führt die Betrachter zu seinen Lieblingsplätzen in einem romantischen, stillen Waldstück, während in Nele Kahrigs Wäldern diffuses Licht durch die Baumstämme fällt. Der Hund der jungen Künstlerin Jacqueline Banke stand „Portrait“ für eine nächtliche Szene an der Weser. Märchenhafte Grenzbereiche und individuelle Mythologien nehmen gleichfalls zentrale Bildflächen ein. Justyna Orzechowska lässt den Geist des legendären Dichters Hoffmann von Fallersleben durch die Bibliothek von Corvey spuken, ein Bild, das einen Traum in der Dämmerung beschwört. Erinnerungen an die Kindheit und das Spielen mit Figuren wie „Arielle“ haben Johanna Tewes märchenhafte Loreley im Meeresgrunde angeregt. Das thematische Leitmotiv dieser Ausstellung bildet ein Werk von Lisa Grimm, sie lässt zu Libori die Silhouetten farbiger Kirchtürme „tanzen“. Das Gemälde weckt Assoziationen an die elementare Kraft und Lebendigkeit des Libori-Tusches, der hier den Kirchenraum auch im Äußeren in Bewegung bringt. Zahlreiche Passanten fühlten sich sofort angesprochen, einzutreten und sich von einzelnen Bildwerken anregen zu lassen. Die Ausstellung ist noch bis zum 3. August täglich von 10 bis 18 Uhr zu sehen.