Zwei Stunden Dauerlachen
Internationaler Frauentag war ein voller Erfolg
Niemand hat wohl das diesjährige Motto des Internationalen Frauentags 2008 in Paderborn so gekonnt in die Tat umgesetzt, wie die Kölner Kabarettistin Barbara Ruscher: eine im wahrsten Sinne des Wortes „starke Frau“, der es gelang, rund 300 Frauen und Klaus aus Borchen fix und fertig zu machen – vor Lachen!! – allein durch das gekonnt gesprochene (und gesungene) Wort und natürlich ihren feinsinnigen, manchmal schwarzen, immer entwaffnenden Humor. Da blieb kein Auge trocken! Barbara Ruscher gastierte auf Einladung der Gleichstellungsstelle anlässlich des Internationalen Frauentags in Paderborn. Dieser wurde auch in diesem Jahr mit einer feierlichen Eröffnung durch Bürgermeister Heinz Paus und die Gleichstellungsbeauftragte Dagmar Drüke im Historischen Rathaus eingeläutet. Dass es ein fröhlicher Tag werden sollte, für alle, die den Tag mitfeierten, deutete sich bereits zu dieser frühen Stunde an: Das „Ach & Krach Impro-Theater“ aus Paderborn verblüffte die Gäste mit Spontanideen rund um das Thema „Gleichberechtigung der Geschlechter“. Immer für Überraschungen gut, bot das Ensemble etwas, das es in dieser Form ganz gewiss noch nicht gegeben hat: Ausdruckstanz zum Thema Gleichstellung. Das Paderborner Rathaus hat hier wirklich Maßstäbe gesetzt. Der überraschende Einstieg wurde am Abend dann durch Barbara Ruscher noch getopt: Von den rund 300 Damen und zwei Herren, die den Weg in die Paderborner Kulturwerkstatt gefunden hatten, um sich im „Lila Salon“ am aramäischen Buffet gütlich zu tun, hatte wohl niemand darauf zu hoffen gewagt, die soeben angefutterten Kalorien auf solch lachmuskelstrapazierende, schweißtreibende und vor allen Dingen saukomische Art und Weise gleich wieder loswerden zu können, wie dies tatsächlich der Fall war. Nach der Schlacht am aramäischen Buffet, das in bewährter Tradition auch diesmal wieder von der syrisch-orthodoxen Frauengemeinschaft St. Aho ausgerichtet wurde und wie immer alle aus dem Vorjahr mitgebrachten kulinarischen Erwartungen übertraf, hatte bei einigen der Gäste bereits das „Suppenkoma“ eingesetzt. Barbara Ruscher weckte sie alle auf. Bereits nach zwei Minuten Bühnenpräsenz tobte der große Saal der Kulturwerkstatt. Und so sollte es weitergehen, ohne den klitzekleinsten Niveaueinbruch, geschlagene zwei Stunden lang, mit kurzer, vom Publikum beinahe schon herbeigesehnter Pause: Denn das hält auch die stärkste Frau nicht aus: Zwei Stunden Dauerlachen. Barbara Ruscher nahm ihr Publikum mit auf eine Reise durch die Absurditäten des alltäglichen Lebens. Und damit traf sie den Nerv ihrer Zuhörerinnen, und nicht zuletzt von Klaus aus Borchen, der – als einer von zwei männlichen Gästen – in der zweiten Reihe sitzend als running gag herhalten musste, sich in dieser Rolle aber durchaus pudelwohl fühlte und als Dankeschön für erlittenes Leid zudem noch eine CD von der sympathischen und spendablen Komödiantin mit nach Hause nehmen durfte. Barbara Ruscher begeisterte auf ganzer Linie. Ob es nun um ihre Entscheidungsunfähigkeit ging („Soll ich heute kochen, oder was kommen lassen, oder meinen Freund kochen und dann doch was kommen lassen“) oder um ihre ganz neuen Erfahrungen als Arbeitgeberin einer Putzfrau namens Olga: Das Publikum ging mit, erkannte sich wieder, röchelte vor Vergnügen: Seit Olga putzt, ist Frau Ruscher nicht mehr Herrin ihres eigenen Haushalts. Früher Überlegungen anstellend, die Wollmäuse gewinnbringend an Waldorfpuppenhersteller zu verkaufen, findet sie sich heutzutage als Besitzerin solcher Art Putzmittel wieder, gegen deren Gebrauch sie vor einigen Jahren noch öffentlich protestiert und sich an Bahngleise hatte ketten lassen. Kommt Olga um neun, steht Frau Ruscher um fünf Uhr auf. So ein Putzfrauenbesuch will schließlich vorbereitet sein. Geht Olga mittags, bleiben zwei Maschinen Wäsche übrig: Lappen – Lappen – Lappen. Sollten Putzfrauen nicht die Hausarbeit verringern? Die Kabarettistin überzeugte in der Rolle des rappenden Herings Kurt, einem kleinen Pummelchen, dessen einziges Ziel es ist, die Norm für Fischkonserven an seine eigenen Körpermaße anzupassen, um endlich selbst in der Dose zu landen. In Personalunion als singendes Seepferdchen mimte sie gekonnt die Backgroundmieze für Kurt und karikierte auf amüsante Weise die gängigen Bandkonstellationen, eine subtile Verhohnepiepelung einschlägiger Rollenklischees und Schönheitsideale. Wer sonst als Barbara Ruscher hätte es schaffen können, 300 Damen (und zwei Herren) nach der Pause gleich wieder auf hundertachtzig zu bringen und sogar – man höre und staune!! - bei einem solch monotonen Gesang wie dem Bundesgartenschau-Song zum Mitsingen zu bewegen: „Bundesgartenschau, Bundesgartenschau – mir wird flau….“ Das Lied gibt’s jetzt übrigens sogar als Klingelton zum Runterladen. Barbara Ruscher ist auf der Höhe der Zeit, muss aber über deren merkwürdige Ausprägungen hin und wieder auf der Bühne selbst lachen. Das macht sie so sympathisch. Um halb elf hatte Barbara Ruscher alles gegeben: Und die Zuschauerinnen auch. Ein wirklich schöner Abend ging zuende. Zurück blieben eine Menge lustigen Unsinns im Kopf und ein Name, den man sich merken sollte: Barbara Ruscher. Übrigens soll es am folgenden Montag bei der Gleichstellungsstelle zu Beschwerden gekommen sein: wegen Lachmuskelkater….