Tote werden für einen Tag lebendig

Sonntag im Historischen Museum im Marstall

Die Rekonstruktion der Gräber eines reichen Paares aus der Zeit um das Jahr 600 in der Sonderausstellung „Eine Welt in Bewegung " im Historischen Museum im Marstall Schloß Neuhaus ist dasProdukt der Gruppe "Rete amicorum". Am Sonntag, 1. Juni, werden der bewaffnete Mann und die geschmückte Frau für einen Tag wieder lebendig und berichten zwischen 10 und 18 Uhr über ihren Lebensweg. Das führende Paar eines Ortes am Hellweg wurde mit seinen Statussymbolen beigesetzt. Die Gräber repräsentieren den typisch vorchristlich-heidnischen Bestattungsbrauch. Die Dame scheint kurz vor der Mitte des 6. Jahrhunderts im böhmisch-mährischen Raum geboren zu sein. Sie ist dann nach Italien gekommen, wo sie als junge Frau eine Fibel und ein Gürtelgehänge bekam. Als Todeszeitpunkt der Dame ist die Zeit um 585 anzunehmen. Für den Mann konnte eine Herkunft aus der heimischen Region festgestellt werden. Die beiden Gräber sind typisch für die Bestattungssitten der vorchristlich-heidnischen Epoche, als man offenbar davon ausging, dass dieToten ihre persönliche Ausrüstung und Statussymbole sowie weitere Beigaben für ein adäquates Leben im Jenseits benötigten. Die Ausstellung "Eine Welt in Bewegung - unterwegs zu Zentren des frühen Mittelalters" ist noch bis 20. Juli in Paderborn-Schloß Neuhaus zu sehen, danach vom 12. August bis 16. November im Mainfränkischen Museum Würzburg auf der Festung Marienberg