Pornographie in Jungenzimmern

Fortbildung für pädagogische Fachkräfte erfolgreich abgeschlossen

Mehr als 80 Prozent der Jungen mit eigenem Internetzugang nutzen regelmäßig oder gelegentlich Pornographie, die sie im Netz finden. Für mehr als 50 Prozent ist das Internet eine wichtigere Aufklärungsinstanz als Eltern oder Schule. Wie der pädagogisch sinnvolle Umgang damit aussieht, diskutierten mehr als 40 Fachleute im Rahmen der Veranstaltung „…wie geil ist das denn?! Jungen und Pornographie in Neuen Medien“, die das Paderborner Forum Jungenarbeit gemeinsam mit der Paderborner Volkshochschule durchführte. Einig waren sich alle darüber, dass das Verbot der Weitergabe von Pornographie an Kinder und Jugendliche aufrechterhalten bleiben muss. „Auch wenn wir wissen, dass das Verbot umgangen wird, so hat es doch eine klare Signalwirkung: Bis hierhin und nicht weiter, hier ist die Grenze. Langfristig wird sich das verankern und wirken“ ist Marco de Luca überzeugt, der die Jugendschutzstelle des Jugendamtes vertritt. Und natürlich können viele Jungen zwischen Realität und Fiktion unterscheiden und wissen, dass das, was sie in Pornos sehen, nicht dem entspricht, was Beziehung, Liebe und Partnerschaft ausmacht. Wissenschaftliche Studien über eine mögliche Gefährdung in der Entwicklung liegen kaum vor. Aber wer ohnehin labil in seiner Entwicklung ist, wer zu Hause schon früh Gewalterfahrungen oder sexuelle Übergriffe erlebt, der wird sicherlich nicht unbeschadet Pornographie sehen können. Und bei Dauerkonsum sind immer Langzeitfolgen zu erwarten. Wie aber sieht ein pädagogisch sinnvoller Umgang aus? Arnd Voss-Reichmann vom Kinderbüro Paderborn rät: „Die zeitweise Sperrung des Internetzugangs oder Wegnahme des Videohandys sind im Einzelfall sicher geeignete Maßnahmen, um bei aktuellen Vorkommnissen reagieren zu können. Auch die Einrichtung der Zugangsbegrenzungen im heimischen Computer sollten immer genutzt werden. Langfristig hilft aber nur, eine Vertrauensbasis aufzubauen, um ins Gespräch zu kommen und die Jungen zu stärken. Eine offene Sexualaufklärung, Themenabende im Jugendzentrum, Schul- und Medienprojekte sind wichtige Bausteine, um kompetent mit Pornografie umzugehen und eine eigenständige, verantwortungsbewusste Sexualität zu entwickeln.“ Hilfestellung hierzu geben auch die im Paderborner Forum Jungenarbeit Pädagoginnen und Pädagogen. Kontakt: Arnd Voss-Reichmann, Kinderbüro Paderborn, 05251/88-1567.