Kind aus dem Film erinnert sich

Film macht Paderborner Geschichte lebendig

Eine besondere Film-Premiere erlebte das Paderborner Museum für Stadtgeschichte. Gezeigt wurde der etwa halbstündige Film „Ein Gang durch die zerstörte Stadt“. Der Streifen, der 1946 und 1947 entstand, ist das einzige umfassende Filmdokument der völlig zerstörten Paderborner Innenstadt. Im letzen Teil werden historische und aktuelle Stadtansichten gegenübergestellt. Gedreht hat ihn seinerzeit der Paderborner Zahnarzt Dr. Joseph Mertens. 2005 wurde der Film erstmalig live kommentiert von seinem Sohn Dr. Rolf Mertens. Als Kind taucht er in dem Film auf und nimmt an dem gezeigten Sonntagsspaziergang durch das zerstörte Paderborn teil. Nach der gelungen Premiere von Film und Live-Kommentar entstand der Wunsch, beides dauerhaft zusammenzubringen. Doch die technische Umsetzung war im ersten Anlauf nicht befriedigend. Deshalb wurde jetzt eine Neubearbeitung vorgenommen. Dank der Unterstützung des Videoproduzenten Wolfram Czeschick konnten Dr. Rolf Mertens und Markus Runte, Leiter des Paderborner Museums für Stadtgeschichte, den Film in neuer Fassung jetzt vorstellen. Ziel der Neubearbeitung war es, durch einen ausführlichen Kommentar dem heutigen Zuschauer Zusammenhänge und Details zu verdeutlichen. Insbesondere wurde Wert darauf gelegt, dem Zuschauer eine geografische Orientierung in der Trümmerwüste zu vermitteln. Der Film ist in seiner Eigenschaft als Amateurfilm nicht aus der Intention entstanden, einmal historisch Quelle zur Geschichte Paderborns zu werden, er ist es aber durch seine Einmaligkeit geworden. Bei der technischen Bearbeitung wurden einige wenige Szenen umgeschnitten und Bilder von Bombenopfern eingefügt, um neben den Gebäudeschäden auch an die Toten zu erinnern. Der besondere Reiz des Films liegt sicher in seiner Authentizität und in der Tatsache begründet, dass der heutige Kommentator als Kind im Film alles miterlebt hat. Die Filmteile zum Wiederaufbau lassen das Geschen mit einer optimistischen Perspektive ausklingen. Für acht Euro wird der Film nach der Vorstellung im Museum für Stadtgeschichte und in den Buchhandlungen Linnemann, Halbig und Bonifatius zu erwerben sein. Beflügelt durch die Begeisterung der Grundschullehrerin seines Enkels, die den Film noch in der einfachen Ausführung im Unterricht einsetzte, hat Dr. Mertens den Grund-, Haupt- und Realschulen und Gymnasien der Paderborner Innenstadt je ein Exemplar kostenlos zur Verfügung gestellt mit Unterstützung der Buchhandlung Linnemann.