Wichtiger Baustein für den Hochwasserschutz
Umfangreiche Baumaßnahmen in der Südstadt
Die umfangreichen und zum Teil bereits abgeschlossenen Kanalbaumaßnahmen am Heierswall und der derzeitige Bau am Regenrückhaltebecken „Am Bahneinschnitt„ zeigen, dass der Kanalbau in Paderborn derzeit ein ganz dickes Thema ist. Beide Maßnahmen zielen darauf ab, den Hochwasserschutz der Paderborner Innenstadt maßgeblich zu verbessern. Das anfallende Niederschlagswasser im etwa 100 Hektar großen Einzugsgebiet des Regenrückhaltebeckens „Am Bahneinschnitt“ wird über das bestehende Kanalnetz der Pader zugeleitet. Die Kapazität des städtischen Kanalnetzes reicht für Niederschlagswassermengen von bis zu fünfjährigen Regenereignissen. Um die bestehenden Gebäude und die Infrastruktur auch bei stärkeren Regenfällen zu schützen, sind im Einzugsgebiet bereits vier Regenrückhaltebecken (RRB) in Betrieb. Diese haben die Aufgabe die Abflussspitzen bei Starkregen zwischenzuspeichern und die Niederschlagsmengen gedrosselt ins Regenwassernetz abzugeben. Während sich die Regenrückhaltebecken „Südring“, „Alter Postweg“ und „Peter-Hille-Weg“ im Netz befinden, bildet das RRB „Am Bahneinschnitt“, zwischen den Bahnstrecken Paderborn - Altenbeken und Paderborn - Bielefeld den Abschluss des Systems. Das Regenrückhaltebecken "Am Bahneinschnitt" ist auf Grund der Lage das letzte Becken, das den Hochwasserschutz der Innenstadt gewährleisten kann. Das 1967 fertig gestellte Becken hatte ein Speichervolumen von etwa 2.600 Kubikmetern. Auf Grund von baulichen Verdichtungen im Einzugsgebiet in den letzten 40 Jahren und der Zielsetzung des Hochwasser- und Überflutungsschutzes der Innenstadt ist für dieses Regenrückhaltebecken ein erforderliches Volumen von etwa 10.000 Kubikmetern errechnet worden. Da die Zu- und Ablaufleitungen aus den genannten Gründen ebenfalls nicht ausreichend dimensioniert sind und eine Gefährdung der Anwohner „Am Bahneinschnitt“, „Am Hilligenbusch“ und an der Warburger Straße ausgeschlossen werden soll, werden die Leitungen ebenso saniert. Außerdem machen Leitungsschäden innerhalb der Kanalabschnitte eine Sanierung unumgänglich. Die Gesamtmaßnahme des Stadtentwässerungsbetriebs (STEB) Paderborn teilt sich somit in vier Bauabschnitte. Im ersten, bereits realisierten Abschnitt, wurden von Juni 2007 bis Mai 2008 die Kanalisationsanlagen in der Straße „Am Ostfriedhof“ und im Kreuzungsbereich Driburger Straße aus den 30er bzw. 50er Jahren erneuert und vergrößert. Ebenfalls wurde die Kreuzung im Zuge dieses Abschnitts umgestaltet. Der zweite, auch bereits fertig gestellte Abschnitt umfasste die Zu- und Ablaufkanäle des Beckens unterhalb der beiden Bahnstrecken, sowie den Bau eines neuen Drosselbauwerks, das den Abfluss aus dem Regenrückhaltebecken regelt. Die Kanäle unterhalb der Bahnstrecken wurden durch die Bahndämme getrieben, um den Bahnverkehr nicht einzuschränken. Die volumenmäßige Vergrößerung des Beckens, der dritte Bauabschnitt, begann im Juli 2008. In diesem Abschnitt wurde die gesamte Beckensohle etwa drei Meter vertieft und so ein Rückhaltevolumen von insgesamt 12.500 Kubikmeter geschaffen. Die bestehenden Gehölze und das Buschwerk auf den vorhandenen Böschungen musste im Zuge dieses Bauabschnitts beseitigt werden. Um die Standsicherheit der Bahnstrecken nicht zu gefährden müssen die neuen, durch die Vertiefung des Beckens längeren Böschungen, mit einem flacheren Winkel ausgeführt werden. Nach Abschluss der Erdbauarbeiten werden die Böschungen wieder begrünt. Nach derzeitigem Baufortschritt wird der dritte Bauabschnitt Anfang Mai 2009 abgeschlossen sein. Den Abschluss der Gesamtmaßnahme bildet der vierte Bauabschnitt mit der Erneuerung der Zulaufkanäle in den Straßen Am Bahneinschnitt, Am Hilligenbusch und in der Warburger Straße, mit dem in den nächsten Tagen begonnen wird. Die Zulaufkanäle sind überlastet und teilweise baulich sanierungsbedürftig. Mit den Bauarbeiten werden zwischen der Warburger Straße und dem RRB beginnen. Die Beseitigung der Gehölze parallel zum vorhandenen Fußweg am Haltepunkt Kasseler Tor war in diesem Zusammenhang aus zweierlei Gründen erforderlich. Im Fußweg befinden sich mehrere Versorgungsleitungen, zu denen ein ausreichender Sicherheitsabstand zur Kanalbaugrube eingehalten werden muss. Die Kanaltrasse liegt somit nicht komplett im Fußweg, sondern bereits im angrenzenden Grünstreifen. Weiterhin soll der, bei Extremregenereignissen auftretende, oberflächliche Regenwasserabfluss von der Warburger Straße durch die neue Oberflächengestaltung zum Regenrückhaltebecken geleitet werden. Damit wird einer Überflutung der Fußgängerunterführung am Kasseler Tor vorgebeugt. Im Grünstreifen parallel zum Fußweg wird eine Mulde angelegt, die das Oberflächenwasser Richtung Regenrückhaltebecken leiten soll. Die gerodete Fläche wird nach Abschluss der Arbeiten wieder begrünt. Das Amt für Umweltschutz und Grünflächen nimmt gern Anregungen zur Neubepflanzung des Grünstreifens entgegen. Der Abschluss der Gesamtmaßnahme ist für November 2009 geplant. Dann ist auch wieder die Unterführung Am Hilligenbusch geöffnet. Der Stadtentwässerungsbetrieb Paderborn investiert insgesamt rund 3,75 Millionen Euro in das Projekt. Durch die Vergrößerung des Beckens und das dadurch entstehende Volumen werden die bestehenden Anforderungen mehr als erfüllt und der Schutz der Innenstadt bei einem 100jährigen Hochwasser deutlich verbessert.