Kinderschutz als Markenzeichen
Neues Familienrecht war Thema einer Fortbildung im Rathaus
Der Kinderschutz als das Markenzeichen der Jugendämter stehe stark im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit. Die Tätigkeit der Jugendämter und der Justiz fänden zum Teil in einem extremen Spannungsfeld statt. Landrat Manfred Müller umriss mit diesen Worten die Situation der Jugendhilfe im Paderborner Rathaus. Dort hatten sich etwa 100 Fachleute aus Jugendämtern, der Justiz, des Caritas-Verbandes, des Diakonischen Werkes, des Sozialdienstes Katholischer Frauen, der AWO, der Erziehungsberatungsstellen und der Sozialpädagogischen Familienhilfe versammelt. Ihr Thema war das neue Familienrecht, das ab 1. September gilt. Die Jugendämter von Stadt, Kreis und der Verein Westfälische Kinderdörfer hatten dazu eingeladen. Über die Einzelheiten des neuen Familienrechts sprach Prof. Dr. Dr. Reinhard Wiesner. Der Leiter des Referates Rechtsfragen der Kinder- und Jugendhilfe im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen, Männer und Jugend gilt als der "Vater des Kinder- und Jugendhilfegesetzes". Das neue Familienrecht fasse erstmalig in einer einzigen Verfahrensordnung die Gesetze und Bestimmungen zum Thema zusammen und regle das Verfahren vollständig neu, so Wiesner. Die Zuständigkeit der Familiengerichte werde so erweitert, dass sie über alle Familien-, Kindschaft- und Lebenspartnerschaftssachen entscheiden können. Das Vormundschaftsgericht werde aufgelöst. Dessen Aufgabe werde vom Familiengericht bzw. vom Betreuungsgericht übernommen. Wiesner nannte auch die neuen Formen der Kooperation zwischen Jugendamt und Justiz, die das neue Recht vorsehe. So werde das Gericht vom Jugendamt frühzeitig am Verfahren zur Kindeswohlgefährdung beteiligt. Diese Verfahren seien vom Gericht beschleunigt durchzuführen. Die Beratungsprozesse würden durch das Gericht länger begleitet, die Jugendämter seien verpflichtet, an den Gerichtsterminen teilzunehmen. Auf die insgesamt guten Bedingungen für die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen in Paderborn ging Bürgermeister Heinz Paus anfangs ein. Mit Projekten, wie Kind und Ko, KOSIAN und anderen fördere die Stadt frühzeitig und gezielt die Mädchen und Jungen und möchte sie stark machen. "Wir können uns dabei auf das große Engagement vieler ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer stützen, die beispielsweise Elternbegleitbücher jungen Familien übergeben und dabei auf die mögliche Hilfen aufmerksam machen", so der Bürgermeister, der den Ehrenamtlichen dafür ausdrücklich dankte.