Blüchersäbel im Marstall

Kulturamt und Förderkreis Historisches Museum im Marstall e.V. erwerben gemeinsam wertvolle altpreußische Husarensäbel

© Stadt Paderborn

Nach fünfzehnjähriger Dauerleihgabe ging nun eine wertvolle Husarensäbelsammlung mit zehn seltenen Exemplaren von 1787 bis 1889 in das Eigentum des Historischen Museums im Marstall der Stadt Paderborn über. Gemeinsam konnte jetzt der Förderkreis Historisches Museum im Marstall e.V. mit seinem 1. Vorsitzenden, Heinz Kamp, zusammen mit dem Kulturamt der Stadt Paderborn und dem Historischen Museum im Marstall diese sehr wertvolle Sammlung erwerben. Bisher konnten zwar schon diese typischen altpreußischen und sehr seltenen Blankwaffen als Leihgabe präsentiert, aber nicht erworben werden. Sie ergänzen eine bisher fehlende historische Blankwaffengattung der äußerst raren Kavalleriesammlung der Stadt Paderborn und dokumentieren damit eine wichtige historische Waffengattung der 8. Husaren und Reitereinheiten, die in den Garnisonstandorten Paderborn und Schloß Neuhaus über einhundert Jahre in unterschiedlichen Formationen nach dem fürstbischöflichen Militär stationiert waren. Die Garnisongeschichte von Neuhaus begann eigentlich schon im Mittelalter mit fürstbischöflichen Einheiten und nach der Säkularisation 1820 mit der Einquartierung einer preußischen Garnison im Schlossareal und dauerte bis 1945. Den Grundstock für die museale Darstellung der Garnisongeschichte von Neuhaus bildet die Sammlung des Regimentsverbandes ehemaliger 15er Reiter, die 1993 in städtisches Eigentum überging und seit 1994 im Marstall als Dauerausstellung aber auch mit Sonderausstellungen präsentiert wird. Diese Sammlung zur Kavalleriegeschichte ist sowohl in qualitativer als auch in quantitativer Hinsicht überregional einzigartig. Zu den nun neu erworbenen Blankwaffen gehören auch sogenannte „Blüchersäbel“. Die Niederlage Preußens gegen Napoleon bei Jena und Auerstedt am 14. Oktober 1806 hatte für Preußen katastrophale Folgen. Die eigene Industrie war nicht in der Lage die Verluste auszugleichen, deshalb wurde auch aus England ein Blankwaffenmodell "Light Cavalry topers sword M 1796" importiert. Von diesem Säbel, in Preußen auch als Kavallerie-Säbel engl./Form bezeichnet, wurden bereits 6000 Exemplare im Jahre 1807 importiert. Auch in den Jahren 1813/14 wurden über Colberg nochmals 10000 Stück von England geliefert. Dieses Säbelmodell wurde dann in Preußen nachgebaut. Er wurde als "Kavalleriesäbel M 1811", oder später mit dem Ehrentitel als "Blüchersäbel" und 1857 nach Einführung des neuen Säbels als Kavalleriesäbel A/A bezeichnet. Getragen wurde der Säbel als Standardwaffe von den Husaren, Ulanen, Dragonern, reitender Artillerie und dem berittenen Train (militärischen Transport mit Pferden). Abgelöst wurde er bei der Kavallerie. vom 8. Januar 1857 durch das Modell vom Kavalleriesäbel M1852., der ebenfalls in der militärgeschichtlichen Sammlung des Historischen Museums im Marstall in Paderborn Schloß Neuhaus zu sehen ist.