Hörzeitung für Blinde jetzt digital

Paderborner Redaktion stellte frühzeitig um

Zu Wochenbeginn fiebert Konrad Schulte mit besonderen Erwartungen seiner Post entgegen. Der Vorsitzende des Paderborner Blindenvereins bekommt an diesem Tag wie knapp 30 weitere Abonnenten die Paderborner Hörzeitung. Lag bis vor einiger Zeit in der Kunststoffhülle eine 90minütige Kassette, auf der die neuesten Informationen aus Paderborn aufgesprochen waren, so ist es jetzt eine CD. Die Paderborner Hörzeitung für Blinde erscheint seit einiger Zeit digital. In der Regie von Matthias Amediek und Nadja Schukies vom Amt für Öffentlichkeitsarbeit und Stadtmarketing der Stadt Paderborn wird die Hörzeitung jeweils montags mit dem Computer und Mischpult aufgenommen und über das Internet zur Kopierzentrale in Holzminden geschickt. Früher musste die mit Hilfe von knapp 40 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern besprochene Kassette mit der Post auf die Reise nach Holzminden gehen, was nicht selten zu Verzögerungen führte. Die Audio-Cassette hat nunmehr ausgedient. Für Blinde und Sehbehinderte war sie mehr als drei Jahrzehnte ein wesentlicher Teil der Informationsvermittlung: Erst die Cassette machte Zeitungen zum Hören möglich. Nun hat im Bereich der Medien für Blinde und Sehbehinderte die digitale Technik Einzug gehalten. Nach einer mehrjährigen Übergangsfrist kann nun auch die Kopiertechnik für Cassetten ins Museum wandern – die CD im MP3-Format ist an ihre Stelle getreten. Der Verein ATZ e.V. – Hörmedien für Sehbehinderte und Blinde – in Holzminden, der als Partner der Stadt Paderborn die lokale Hörzeitung für die Abonnenten kopiert, folgt damit nicht nur technischen Sachzwängen. Vielmehr schaffen die neuen technischen Möglichkeiten auch Entwicklungschancen für die Blindeninformation. Auf der CD ist nicht nur fast beliebig viel Platz für ausführlichere Berichte. Sie kann auch ganz speziell gegliedert werden, so dass Blinde sich auch in sehr umfangreichen Hörmedien leicht zurecht finden; sie blättern gewissermaßen in ihrer Hörzeitung. Mit jedem MP3-fähigen CD-Spieler kann man die „neue“ lokale Hörzeitung nutzen; wer die Zeitung nicht mehr mit eigenen Augen lesen kann, bekommt auf Wunsch gerne eine kostenlose Hörprobe. Nicht nur blinde und sehbehinderte Menschen nutzen diese Art der Information, sondern verstärkt auch ältere Menschen, denen das tägliche Zeitungsstudium schwer fällt. Alle technischen Möglichkeiten der neuen digitalen Technik kann man mit sogenannten „Daisy-Spielern“ nutzen, die es im Handel für Blindenhilfsmittel gibt. Das Redaktionsteam der Paderborner Hörzeitung freut sich im Übrigen über Mitstreiter, die den Weg in die digitale Zukunft mitgehen. Wer gut vorliest, Interesse am lokalen Geschehen und keine Angst vor dem Computer hat, ist zum Mitmachen eingeladen. Interessierte können sich an Nadja Schukies vom Amt für Öffentlichkeitsarbeit und Stadtmarketing unter der Rufnummer 05251/88-2090 bzw. per Mail "n.schukiespaderbornde" wenden.