Theaterstück macht Sucht zum Thema
Friedrich-von-Spee-Gesamtschule und Stadtjugendamt aktiv
Max Drögel geht es nicht gut. Er ist von der Schule geflogen; seine Eltern sind nicht gut auf ihn zu sprechen; seine Freundin will nicht mehr mit ihm zu tun haben. Da hilft nur eins: Drogen als Trost.... Das sind die banalen Versatzstücke für ein typisches Anti-Drogen-Stück für Jugendliche. Doch dem Autor des an der Friedrich-Von-Spee-Gesamtschule vom D.a.S.-Theater Köln vor 130 Schülern gezeigten Stücks "Wilder Panther, Keks", Günter Jankowiak, ist etwas Wunderbares gelungen: Er hebt die Figur aus den Alltagsniederungen heraus und lässt Max plötzlich vor drei Engeln stehen. Die Engel wissen alles über Max. Denn als „Schutz“-Engel haben sie seit seiner Geburt sein Leben begleitet. Die Ebene der Engel erlaubt dem Stück Eindrücke, die eindringlich die Lebenssituation dieses und anderer Jugendliche aufzuzeigen. Was zunächst nicht adäquat für Theater für jugendliches Publikum klingt, wird in der Inszenierung zum Garanten für die Lebensnähe des Stücks. Im Stück werden Schlüsselszenen seines Lebens wieder aufgerollt. Für Max ist klar, dass es nie an ihm lag, wenn ihm etwas nicht gelungen ist. Max hat sich seine Entschuldigungen gut zurechtgelegt. Für ihn sind die anderen schuld: „Wenn sie mich nicht so angesehen hätten; wenn sie mir keine Zigaretten angeboten hätten.“ Die Engel konfrontieren ihn mit der Wahrheit. Denn sie wissen es besser. Die Engel führen ihm und den Zuschauern klar und nüchtern vor, wie ein Mensch in scheinbar ausweglose Situationen geraten kann. Dabei zeigen sie, wie und vor allem, dass man auch anders handeln kann. Die Engel geben ihm eine zweite Chance. Er kann noch mal zurück auf die Erde. Das Stück, das Teil der suchtpräventiven Arbeit der Schule ist, zeigt Geschichten nicht nur über Abhängigkeit, sondern über die Frage nach dem Sinn des Lebens, über das, wonach Menschen suchen sollen oder wollen, darüber, wie sie leben möchten, wofür es sich lohnt, zu kämpfen. Es geht um Freundschaften, um Liebe, um Familienstrukturen, um Schule – alles Dinge, die Jugendliche prägen und die Individualität des Einzelnen begründen. Thema des Stücks ist die Frage: Wer entscheidet über den Weg, den ich einschlage? Bin ich es selbst oder ist es meine Umgebung? Wer hindert mich, wer fördert mich einen eigenen Weg zu finden? Wieso bin ich so geworden, wie ich bin? Jeder Mensch steht vor der Frage: wie bin ich so geworden, so wie und was ich heute bin. Was ist mein Verdienst, mein Verschulden? War es Vererbung, Zufall, Schicksal, meine persönliche Kraft? Wir Erwachsenen können recht entspannt aus dem Abstand auf unser Leben blicken. Wie viel turbulenter geht es in der Zeit als Jugendlicher zu - einer Zeitspanne, in der sich so viel Wesentliches für das Leben entscheidet. Ein Stück über Sucht, über die Momente, die Heranwachsende stark machen oder deren Selbstbewusstsein brechen. Unterstützt hat das Theaterstück das Jugendamt der Stadt Paderborn, das sich für nachhaltige Suchtprävention an Schulen einsetzt. Die Organisatoren Christiane Nordmeyer, Beratungslehrerin an der Schule, und Marco de Luca vom erzieherischen Kinder- und Jugendschutz des Stadtjugendamtes, freuen sich, dass sich Schülerinnen und Schülern durch die Aufführung mit der Sucht-Problematik in einer anderen Form auseinandersetzen konnten. Lehrer und Schüler, die sich bereits zuvor mit dem Thema im Unterricht beschäftigt hatten, würdigten das Stück mit anhaltendem Beifall.