Karneval wie im Rausch

Traurige Bilanz bei Jugendschutzkontrollen

Im Rahmen von Jugendschutzkontrollen im gesamten Innenstadtgebiet sind am vergangenen Karnevalssamstag etwa 100 Kinder und Jugendliche wegen Alkoholkonsums kontrolliert worden. Mitarbeiter des Büros für Ordnung, Schutz und Sicherheit (B.O.S.S.) und des Stadtjugendamtes mussten in zahlreichen Fällen Alkohol sicherstellen. In rund 20 Fällen wurden die Minderjährigen den Erziehungsberechtigten übergeben und Beratungsgespräche geführt. Der traurige Höhepunkt war gleich zu Beginn der Veranstaltung: Zwei 14jährige Mädchen mussten mit einer massiven Alkoholvergiftung im Rettungswagen in die Paderborner Kinderklinik eingeliefert werden. In den gesamten Karnevalstagen kam es zu zahlreichen weiteren Krankenhauseinlieferungen von Kindern und Jugendlichen. Nach Auskunft von Marco de Luca, Jugendschutzbeauftragter und Koordinator des Aktionsbündnisses „Kein Alkohol in Kinderhand“, das unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Heinz Paus steht, waren ohne Ausnahme bei allen angetroffenen Minderjährigen Spirituosen im Spiel. "Aufgrund des 'hervorragenden Preis-Wirkungsverhältnisses' von Spirituosen greifen Jung und Alt insbesondere in Zeiten der Rezession vermehrt zu diesen Getränken, um kostengünstig einen 'ordentlichen' Rausch zu bekommen. Da stehen sich beide Generationen in nichts nach", so de Luca. Der Titel der diesjährigen Karnevalsparade „Finanzkrise hin, Rezession her – feiern fällt den Drei Hasen niemals schwer“ bekommt damit eine ganz neue Bedeutung. Wurde vor einigen Jahren die Alkopopsteuer eingeführt, um den Spirituosenkonsum zumindest bei jungen Leuten über den Preis einzuschränken, ist die Wirkung nun wieder verloren gegangen. Spirituosen sind in den Discountern billiger den je erhältlich und werden nun einfach selbst mit süßen Zusätzen, wie z.B. Fruchtsäften oder Limonaden, gemischt. Dazu kommen die Promotionsteams von Spirituosenherstellern, die fleißig und teilweise gratis ihre Waren an Mann und Frau bringen. „Für die kommenden Jahre wäre ein kompletter Spirituosenverzicht während solcher Veranstaltungen mit besonderer Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen einzig sinnvoll“, sind sich die Mitarbeiter von Ordnungsamt und Jugendamt einig, „da müssen die Erwachsenen mit gutem Beispiel vorangehen und vorleben was eine angemessene Festkultur ist.“ Nach Auskunft der Mitarbeiter von B.O.S.S. stellt die genannte Bilanz für die Veranstaltung auch nur die Spitze des Eisbergs dar. „Da sich die Durchführung von Jugendschutzkontrollen sehr zeitintensiv gestaltet, konnten wir mit dem zur Verfügung stehenden Personal nur einen Bruchteil der gefährdeten Kinder und Jugendlichen aufgreifen und den Erziehungsberechtigten zuführen“ so Andreas Schaaf-Fiege von B.O.S.S.