Film und Vortrag
Ausstellung "Ausgegrenzt - Ausgelöscht"
Das Museum für Stadtgeschichte und das Stadtarchiv Paderborn zeigen in der Städtischen Galerie Am Abdinghof am Donnerstag, 22. Januar, um 19 Uhr den Film „Jud Süß – Ein Film als Verbrechen?“. Referent ist der Kunst- & Medienwissenschaftler Eyke Isensee von der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig. Der Eintritt zum Film und Vortrag ist frei. Im Juni des vergangenen Jahres konnte das Stadtarchiv Paderborn in Verbindung mit einer Ausstellung im Kreishaus den antisemitischen Film „Jud Süß“ vorstellen. Der Film von Regisseur Veit Harlan ist der bösartigste antisemitische Spielfilm, den Joseph Goebbels' Propagandamaschine produziert hat. In dem Streifen setzte Harlan antisemitische Stereotype in eine Bildsprache um, die dem Zuschauer die angebliche Minderwertigkeit der "jüdischen Rasse" suggerierte. Der Regisseur hat damit die Deportationen der Juden massenmedial vorbereitet. Nach 1945 behauptete Harlan, er hätte diese und andere Regiearbeiten "wider Willen" realisieren müssen. Der Doku-Film "Jud Süß - Ein Film als Verbrechen?" von Horst Königstein, der nun in der Städtischen Galerie gezeigt wird, gibt Auskunft über Harlans Leben und zeigt nachgestellte Spielszenen aus dem Gerichtssaal. Kann man mit einem Spielfilm ein Verbrechen begehen? Wer trägt die Verantwortung für das kollektive Werk? Wo liegt die Grenze zwischen Korruption und legitimer Wahrung des Eigeninteresses, zwischen Feigheit und berechtigter Angst? Mit solchen Fragen setzt sich Horst Königstein in seinem Doku-Drama von 2001 auseinander, in dem er durch Filmausschnitte, Interviews und Spielszenen den Prozessverlauf und die Entstehung des Films lebendig werden lässt. Etliche Aussagen von Zeitzeugen zeigen ein vielschichtiges Bild. Veit Harlan (gespielt von Axel Milberg) lehnt jede Verantwortung ab, sich intellektuell an Judenhetze und -ermordung beteiligt zu haben - schließlich sei er vom damaligen Reichspropagandaminister Josef Goebbels (gespielt von Johannes Silberschneider) zum Film gezwungen worden. Noch bis zum 22. Februar läuft im Stadtmuseum Paderborn die vom Museum und vom Verein für Geschichte an der Universität Paderborn gemeinsam konzipierte Ausstellung „Ausgegrenzt - Ausgelöscht“, die das Schicksal der Paderborner Juden am Beispiel der Familie Kosses verdeutlicht. Die Ausstellung, bereits von über 4000 Menschen besucht, wird unterstützt durch die NRW-Stiftung.