Bei den Hausaufgaben ist Mama im Bilde

In der Stephanusschule drücken Eltern die Schulbank

© Stadt Paderborn

"Danke für diesen Kurs, denn bei den Hausaufgaben bin ich jetzt bestens im Bilde", sagt Rola Eichouh. Die Mutter zweier Kinder, die die Stephanusschule besuchen, kann jetzt Zuhause mitreden. Zu oft hat sie von ihren Sprösslingen gehört, dass sie ja bei den Hausaufgaben nicht mitreden könne, weil sie ja nicht in der Schule gewesen sei. Das ist jetzt vorbei, denn die Syrerin drückt seit einigen Monaten selbst die Schulbank. Sie trifft sich mit anderen Müttern jeweils mittwochs und freitags in der Schule. Mit Beginn des neuen Schuljahres 2008 / 2009 startete an der Stephanusschule diese neue Förderung für Eltern des ersten Schuljahres. Die Mütter begleiten kurz vor 8 Uhr ihre Kinder zur Schule und winken ihnen auf dem Schulhof noch einmal zu, wenn die Klassenlehrerinnen mit den Kindern in die Klassenzimmer der ersten Klassen gehen. Dann jedoch versammeln sich die Mütter, warten auf ihre Lehrerin und setzen sich dann einen Raum weiter ebenfalls an einen Schultisch. Auf dem Stundenplan steht ganz oben die Frage, wie kann ich meinem Kind im Schulalltag helfen. Welche Unterstützung kann und muss ich meinem Kind im ersten Schuljahr geben? Wie viel Zeit benötigt mein Kind und wann muss die Schultasche gepackt werden? Welche Dinge gehören in einen Tornister und was gehört zu einem gesunden Frühstück? Die enge Zusammenarbeit mit den Lehrerinnen der ersten Klassen gewährleistet, dass die Kursleiterin Ursula Kulage immer eine Antwort weiß, auch auf so knifflige Fragen, wie die nach neusten Hausaufgaben oder dem richtigen Vorlesebuch (zum Beispiel für den Geburtstag). Ganz nebenbei lernen die Mütter auf diese gesellige Art auch noch die deutsche Sprache, bekommen Sicherheit bei der korrekten Schriftsprache oder beim Umgang mit Behörden. Gemeinsame Gänge zum Wochenmarkt und in die Bücherei sind geplant. Schulleiterin Andrea Woitschek bekräftigt die Vorteile der Elternschule und berichtet darüber, dass ihre Kolleginnen und Kollegen nachhaltige Fortschritte bei den Kindern sehen. "Die Kinder bekommen so mehr Unterstützung zu Hause, in der Familie wird besseres Deutsch gesprochen, und die Mütter bekommen niederschwellig Hilfe, sind eingebunden in die Bildungsarbeit der Schule und engagieren sich sehr bei der Elternmitwirkung. Die Zusammenarbeit mit der Schule wird ernst genommen, die Unterstützung von allen Eltern wird möglich. Schule bekommt dann den Stellenwert, den sie braucht.“ Die Mütter seien jetzt mehr noch Vorbild, deren Anstrengungsbereitschaft und Erfolge in der Schule seien Anreiz auch für die Kleinen, so die Schulleiterin. So könne langfristig eine gute Ausbildung gelingen. Die Kosten für das Projekt trägt die Stadt Paderborn. "Diese Elternschule hilft allen Beteiligten und bringt Schule und Elternhaus näher zusammen", sieht Beigeordneter Wolfgang Walter die Vorteile. Für Marcus Heidebrecht vom Integrationsbüro der Stadt wird damit auch der Integrationsgedanke vertieft. Geplant sind - in enger Kooperation mit weiteren sozialen Einrichtungen - auch Informations- und Aufklärungsvormittage zur Vorsorgeuntersuchung bei Kindern, zu öffentlichen Sport- und Unterstützungsangeboten sowie kostenlose Nachhilfe. Möglich wird die Elternschule, weil die Offene Ganztagsschule vormittags Räume zur Verfügung stellt und auch für die Betreuung der ganz kleinen Kinder gesorgt ist. Wünschenswert bleibt nur, dass nicht nur Mütter den Schritt in die Schule wagen, sondern auch mal Väter die Schulbank drücken. Für Rola Eichouh hat sich das jedenfalls schon gelohnt. "Ich lasse keine Ausreden mehr zu, wenn Hausaufgaben gemacht werden."