Grenze wird Thema
Ausstellungseröffnung am 16. Oktober in Schloß Neuhaus
Am Freitag, 16. Oktober, um 19 Uhr referiert Rüdiger Sielaff zum Thema "Wege in die Freiheit? Fluchten von Ost nach West" im Audienzsaal in Schloß Neuhaus. Der Vortrag ist der Auftakt zur Ausstellung "Unüberwindbar? Die innerdeutsche Grenze und ihre Wahrnehmungen 1945 - 1990" im Historischen Museum im Neuhäuser Marstall. Rüdiger Sielaff leitet die Außenstelle Frankfurt/Oder der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Ministeriums für Staatssicherheit der ehemaligen DDR. Nachdem er aus politischen Gründen (Fluchtversuch und Haft des Bruders) ein Studienverbot in der DDR erhielt, schaffte er es 1985 in die Bundesrepublik auszureisen. Somit hat auch er eine spezielle Beziehung zum geteilten Deutschland. Die Mauer, die aus SED-Sicht Schutz vor Feinden bieten sollte, schloss die Ostdeutschen in ihrer Heimat ein. Vielen wurde die Ausreise verweigert. Bei Fluchtversuchen wurden hunderte Menschen getötet, tausende verletzt. Einigen gelang die Flucht, doch auch im Westen war keiner vor der Stasi wirklich sicher. Wie sich nach 1989, nach Einblick in die Stasi-Akten, herausstellte, waren überall in der Bundesrepublik Spitzel aktiv und ständig wurden neue rekrutiert. So auch in Paderborn. Rüdiger Sielaff gewährt in seinem Vortrag einen Einblick in die geheimen Aktivitäten der Stasi in Paderborn. Für viele werden die Fakten interessant sein, für einige vielleicht sogar erschreckend. Sogar Westdeutsche wurden nach Besuchen in der DDR verfolgt und beobachtet, wenn sie "spezifische Regimekenntnisse" besaßen. So zum Beispiel Arbeitsamt- oder AOK- Mitarbeiter, denen die Stasi bis in das Treppenhaus folgte. Besonders Auszubildende oder junge Erwachsene wurden zum Ziel, da sie noch "formbar" seien, wie es im Stasi-Deutsch hieß. Wie der Vortrag wurde auch die Ausstellung "Unüberwindbar? Die innerdeutsche Grenze und ihre Wahrnehmungen 1945 - 1990" mit Informationen aus Paderborn ergänzt. Das Paderborner Stadtarchiv präsentiert Bilder und Gegenstände aus dem Übergangslager in Staumühle, in dem DDR-Flüchtlinge aus der Prager Botschaft der Bundesrepublik untergebracht wurden. Bei dieser Ausstellung wird auch ein museumspädagogisches Programm für Schulklassen angeboten (Tel. 05251/881052). Am 3. November findet außerdem ab 18.30 Uhr ein Vortrag von Dr. Odilo Gudorf mit Rundgang durch die Ausstellung statt.