Paderborner Premiere für "Fanny und Charls"

Projekt des Kultursekretariats in weiteren sechs NRW-Städten

Am Sonntag, 25. April, hat um 18 Uhr im Audienzsaal des Neuhäuser Schlosses das Projekt „Fanny und Charles“ des Kultursekretariats NRW Gütersloh Premiere. Die Mischung aus Klavierabend und Rezitation dreht sich um Fanny Hensel, geborene Mendelssohn, und um ihre Bekanntschaft mit dem französischen Komponisten Charles Gounod. Karten für die Premiere gibt es im Paderborner Ticketcenter, Tel. (05251) 2 99 75 0. Karten für die Aufführung in Bottrop an der dortigen Theaterkasse, Tel. (02041) / 70-3308. Karten für die nachfolgenden Vorstellungen in den jeweiligen örtlichen Vorverkaufsstellen. Fanny Hensel war genauso begabt wie ihr Bruder Felix Mendelssohn Bartholdy, durfte aber ihre Fähigkeiten nicht ebenso entfalten. Bei ihrem Rom-Aufenthalt 1839/40 wurde sie jedoch als Komponistin und Musikerin respektiert und entwickelte sich als Künstlerin entscheidend fort. Der Sommer in Rom war eine beglückende und befreiende Erfahrung für die an preußische Strenge gewöhnte Frau. Vor allem die Anerkennung der in Rom weilenden französischen Musiker trug dazu bei. Ihrem Tagebuch vertraute sie an, wie gut ihr die „Atmosphäre von Bewunderung und Verehrung, von der ich mich hier umgeben sehe“, tat. Und sie fügte etwas Persönliches hinzu: „Ich bin in meiner Jugend längst nicht so angeraspelt worden wie jetzt. Wer kann leugnen, dass das sehr angenehm und erfreulich ist?“ Die „Anraspelei“ erfuhr die damals 34-jährige vor allem von dem 22 Jahre jungen Charles Gounod. Musikalisch, intellektuell und an Lebenserfahrung war sie dem jungen Mann, der sich als Stipendiat der französischen Akademie in Rom aufhielt, überlegen. Es kam auch nicht zu einer Liebesbeziehung, wie manchmal behauptet wird, aber Fanny war entzückt von Charles: Er küsst ihr die Füße, er bestreut sie mit Blütenblättern, er zieht mit ihr bei Nacht durchs sommerliche Rom, sie spielt für ihn und andere bis tief in die Nacht auf dem Klavier, vor allem Bach und Beethoven. Minutiös zeichnete sie die Musikfolgen auf. Ihre Briefe und Tagebuchaufzeichnungen besitzen literarische Qualitäten und stecken voller Esprit. Die TV- und Filmschauspielerin Johanna Gastdorf (viele „Tatort“- und „Polizeiruf“-Folgen, Rollen in „Hilde“, „Das Wunder von Bern“ etc.) liest aus Briefen und Tagebucheinträgen von Fanny Hensel, die renommierte Pianistin Konstanze Eickhorst, Professorin in Lübeck, spielt, was Fanny Hensel in Rom komponierte und spielte. Auf dem Programm stehen zum Beispiel das Italienische Konzert von Bach, die c-Moll-Fantasie von Mozart und der erste Satz der Appassionata von Beethoven. Der Geschäftsführer des Kultursekretariats, Meinolf Jansing, zählt mit Freude die sechs weiteren Stationen in NRW mit Bottrop, Hamm, Brilon, Menden, Ibbenbüren, Unna auf, die für das Projekt nach der Premiere bereits feststehen. Die zweite Aufführung findet am 28. April im Kulturzentrum August Everding um 19.30 Uhr in Bottrop statt. Eine komplette Liste der Aufführungen findet sich auf www.kultursekretariat.de in der Rubrik Veranstaltungen. Er rechnet mit weiteren Buchungen nach den ersten Aufführungen. Iris Witt vom Sommertheater Detmold wählte die Texte aus und schrieb das Programmheft. „Fanny Hensels geistreiche Texte böten Anlass zu mehreren Programmen“, betont sie und bedauert, was man alles weglassen musste: „Die Beziehungen zu Vater, Bruder und Ehemann, alle zwischen Einengung und Förderung ihrer Persönlichkeit und doch geprägt von Liebe, konnten nur im Programmheft Niederschlag finden. Ihre spitze Feder gegen unreflektierte Italienliebe mit oft unüberlegtem Hang zu Katholizismus oder auch zur Antike und ihr Spott über den Vatikan wären einen ganzen Abend wert.“ Die Idee zu dem Projekt hatte Christoph Gockel-Böhner vom Kulturamt Paderborn. Zur Verdeutlichung des Künstlerinnentypus von Fanny Hensel verweist er auf die Unterschiede zu ihrer Schwägerin Luise Hensel, bekannt durch das Gedicht „Müde bin ich, geh zur Ruh“. Die zum Katholizismus konvertierte und in Paderborn begrabene Luise Hensel, die Verehrer wie Clemens Brentano und Wilhelm Müller, den Textdichter von Schuberts „Winterreise“, abgewiesen hatte, äußerte sich abfällig über Fanny Hensels weibliches Selbstbewusstsein. Die Akteure: Konstanze Eickhorst, Klavier: Die gebürtige Bremerin Konstanze Eickhorst entschied 1981 den berühmten Clara-Haskil-Wettbewerb für sich und dieser künstlerische Triumph wirkte wie ein Paukenschlag, zumal er alles andere war als ein Zufallstreffer: Auch beim Bach-Wettbewerb in Toronto, beim Concours Reine Elisabeth und beim Zürcher Géza-Anda-Wettbewerb konnte sich Konstanze Eickhorst ihre Preise sichern, die nicht nur in einer makellosen Beherrschung des technischen Handwerks, sondern vor allem in jener Intensität des Ausdrucks begründet sind, die Joachim Kaiser als eines der wesentlichsten Merkmale der Künstlerin erkannte. Mit diesen internationalen Erfolgen war der Grundstein gelegt für eine Karriere, die Konstanze Eickhorst in fast alle wesentlichen Musikmetropolen führt. Weitere Informationen und Fotomaterial finden Sie unter: www.konstanze-eickhorst.de Johanna Gastdorf, Rezitation: Die aus Hamburg stammende Schauspielerin ist vor allem durch ihre zahlreichen TV- und Filmrollen der letzten Jahre einem breiten Publikum bekannt, etwa in „Hilde“ (Verfilmung des Lebens von Hildegard Knef), „Die Welle“, „Der Untergang der Pamir“ oder „Das Wunder von Bern“, außerdem vielfach in Kriminalserien wie „Tatort“ oder „SOKO 5113“. Sie erlernte ihren Beruf an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover. Feste Engagements führten sie ans Staatstheater Hannover (1982-1993), ans Bayerische Staatsschauspiel (1993-2000) und ans Schauspielhaus Bochum (2000-2005). Sie wurde für ihre Rolle in „Polizeiruf 110 - Kleine Frau“ mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet und für ihre Rolle in „Das Wunder von Bern“ für den Deutschen Filmpreis nominiert und mit dem Bayerischen Filmpreis für die beste weibliche Nebenrolle ausgezeichnet.