Wie die Linde nach Westfalen kam

Vortrag im Naturkundemuseum

© Stadt Paderborn

Kaum eine Baumart symbolisiert das Heimatgefühl der Deutschen so wie die Linde. „Am Brunnen vor dem Tore, da steht ein Lindenbaum“ oder „vor meinem Vaterhaus steht eine Linde“ sind nur zwei der vielen bekannten Liederzeilen über diesen beblätterten Riesen, der bis zu 1000 Jahre alt werden kann. Da klingt es reichlich provokant, wenn der Bad Lippspringer Dendrologe Herbert Franz Gruber behauptet, die Linde sei in Westfalen gar keine ursprünglich einheimische Baumart. In einem Lichtbildervortrag beim Naturwissenschaftlichen Verein Paderborn im Schloß Neuhäuser Naturkundemuseum im Marstall geht er am Dienstag, 27. April, um 19.30 Uhr der Herkunft und der mythologischen Bedeutung der Linden im Paderborner Land nach. Im traditionell katholischen Hochstift fällt auf, dass diese Bäume stets in der Nachbarschaft zu Kirchen, Bildstöcken, Wegekreuzen oder alten Kreuzwegstationen zu finden sind. Im Wald dagegen sind sie ausserordentlich selten. Doch woher kommt dieses Zerrbild des Lindenvorkommens, dass den Baum wie einen Kulturfolger des Menschen dastehen lässt? Gruber vermutet, dass insbesondere die Missionare zur Zeit der Sachsenkriege auf die Linde als Symbolbaum setzten und Linden als Gegenpole zu heidnischen Eichenkulten pflanzten. Der manchmal geäusserten Vermutung, die Linde sei in der germanischen Mythologie der Göttin Freya geweiht gewesen, widerspricht der Gehölzkundler mit Verweis auf einen Übersetzungsfehler in der nordischen Edda – dort nämlich wurde manchmal das Wort „Embla“ was Ulme bedeutet, irrtümlich mit Linde übersetzt. Sein Fazit: „Die Germanen kannten die Linde nicht!“