So weit wie Paderborn ist sonst keiner
Kind & Ko will den Übergang in die Schule erleichtern
Das Bildungsbüro „Kind & Ko“ der Stadt Paderborn verfolgt weiter das Ziel, den Übergang von der Kindertageseinrichtung in die Grundschule für Kinder in Paderborn zu erleichtern. „Die Brüche, Verunsicherungen und Enttäuschungen, die sich für viele Kinder ergeben, wenn sie voller Erwartung vom Kindergarten in die Schule wechseln, sollen zukünftig noch deutlicher vermindert werden“, so die Koordinatorin des Bildungsbüros Gabriele Mikus. Das Bildungsbüro hatte zu diesem Thema in das Heinz Nixdorf MuseumsForum eingeladen und 70 Kita-Fachkräfte und Grundschullehrerinnen kamen. Leitwort der vierstündigen Veranstaltung war die Frage „Verlorene Bildungszeit zurückgewinnen?“. Hierzu referierte Prof. Dr. Tassilo Knauf von der Universität Duisburg-Essen. Ausgangspunkt seines Vortrags war die These: Bildungszeit ist teuer. Bildungspolitik ist daher an der Einsparung von Zeit interessiert. Daher die Vorverlegung der Einschulungstermine und die Kürzung des gymnasialen Bildungsgangs. Doch diese Maßnahmen erhöhen Stress, Leistungs- und Auslesedruck, ja auch das Versagen in der Schule. Wie Knauf weiter ausführte, gehen die skandinavischen Bildungssysteme einen anderen Weg: In Schweden werde an der Späteinschulung mit sieben Jahren festgehalten und trotzdem hätten die zehnjährigen Schüler beim internationalen Vergleichstest für Schülerleistung mit Abstand am besten abgeschnitten. Umgerechnet auf die Könnens-Fortschritte und bezogen auf das Lebensalter verfügten schwedische Schüler in rund zweieinhalb Jahren über den gleichen Wissensstand wie deutsche Schüler nach vier Jahren Schule. Und dies gehe ganz ohne Noten und Sitzenbleiben. Der Erfolg des skandinavischen Systems liege im Ernstnehmen und Herausfordern der Heranwachsenden als selbstständige und selbstbewusste Lerner und Forscher, die selber die erfolgreichsten Lernwege entdeckten, erprobten und laufend weiterentwickelten, so der Wissenschaftler. Die neueren Ergebnisse der Bildungsforschung und Neurobiologie bestätigten diesen Weg. Für das deutsche Bildungssystem könne das zunächst bedeuten, Elemente einer gemeinsamen Lernkultur von Kitas und Grundschulen zu stärken. Solche Elemente könnten auf verschiedenen Ebenen des Lernens gefunden werden. „Ein Beispiel ist die schrittweise Entfaltung des Umgangs mit Symbolsystemen wie der Schrift oder das projektartige Lernen in Kita und Schule", so Prof. Dr. Tassilo Knauf. Ein wichtiger Bereich sei auch die Entwicklung einer anschlussfähigen Bildungsdokumentation, in die Kinder sich selber als lernende Akteure einbringen können. Das Portfolio sei hierfür ein gutes Beispiel. Letztlich gehe es um einen veränderten Umgang mit Fehlern. "Fehler sollten nicht als peinliche Pannen vertuscht, sondern als Chancen zum Analysieren und Regelerkennen genutzt werden", sagte Knauf. In Kleingruppenarbeit entwickelten die Pädagogen aus Kita und Schule Praxisvorschläge für die Umsetzung dieser Ideen. Knauf, der Kitas, Schulen, Träger und auch Ministerien in mehreren Bundesländern zum Thema Übergang berät, war von den Ergebnissen begeistert: „Von Kiel bis München habe ich aktuelle Eindrücke von der Praxis in deutschen Bildungseinrichtungen gewonnen, aber so weit wie Paderborn ist sonst keiner“, so der Bildungswissenschaftler.