Wenn Lukas mit zur Arbeit kommt
Neues Eltern-Kind-Büro in der Paderborner Stadtverwaltung
Wenn Lukas gewöhnlich zur Arbeit geht, dann ist die Schmetterlingsgruppe des St. Liborius Kindergartens sein Ziel. Jüngst war der Dreijährige dort aber nicht anzutreffen. Seine Mama hatte ihn mitgenommen in ein Büro der Paderborner Stadtverwaltung. Was Lukas dort vorfand, hätte er so nicht erwartet. Malbücher, Buntstifte, Spielteppich, Lego-Steine, Bilderbücher und vieles mehr. Hier lässt es sich aushalten, dachte sich der Steppke, griff sich den Buntstift und legte im Malbuch los. "Wenn die Tagesmutter mal ausfällt oder der Kindergarten mal geschlossen ist, dann möchten wir unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Möglichkeit geben, hier zu arbeiten und gleichzeitig das Kind in die Stadtverwaltung mitzubringen", sieht Bürgermeister Heinz Paus die Vorteile des jetzt eingeweihten Eltern-Kind-Büros. Die Stadt hatte sich im Rahmen des Zertifikats "audit berufundfamilie" dazu verpflichtet, eine solche Möglichkeit zu schaffen. "Das ist eine gute Alternative, um Beruf und Familie in durchaus vorkommenden Ausnahmefällen trotzdem noch unter einen Hut zu bekommen", sieht Dagmar Drüke, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Paderborn, die Vorteile des Eltern-Kind-Büros. Der PC-Arbeitsplatz gleich neben der Spielecke stellt sicher, dass die Mitarbeiterin bzw. der Mitarbeiter nicht nur das Kind im Blick hat, sondern auch seiner Arbeit nachgehen kann. "Wir werden nach den Sommerferien ein weiteres Eltern-Kind-Büro im Technischen Rathaus an der Pontanusstraße eröffnen", blickt Alfred Jolk, Leiter des Haupt- und Personalamtes der Stadt, bereits voraus. Die Paderborner Stadtverwaltung hatte im Juni des letzten Jahres das einzige bundesweit anerkannte Gütesiegel des "audit berufundfamilie" erhalten. Sie ist mit der Zertifizierung in ein "audit Netzwerk" eingebunden. Durch eine jährliche Berichterstattung wird die Umsetzung der Zielvereinbarung kontinuierlich dokumentiert. Nach drei Jahren kommt es dann zu der Re-Auditierung. Hierbei werden die Umsetzungsergebnisse geprüft. Ziel ist es, das Zertifikat zu bestätigen. Die Frage, wie sich Beruf und Familie noch besser unter einen Hut bringen lassen, wurde in der Verwaltung im "audit berufundfamilie" diskutiert. Eine Zielvereinbarung wurde erstellt, die Handlungsplan und Umsetzung in Fristen von ein bis drei Jahren festhält. Entwickelt wurde das "audit berufundfamilie" von der gemeinnützigen Hertie-Stiftung. Es dient dazu, Unternehmen und Institutionen aller Branchen und Betriebsgrößen ein Managementinstrument zur Optimierung einer familienbewussten Personalpolitik anzubieten. Ziel dieser Auditierung der Stadt Paderborn ist es, die bereits vorhandene familienbewusste Personalpolitik deutlich zu machen und bedarfsgerecht auszubauen. Nur so kann man die Vereinbarkeit von Beruf und Familie leben. "Wer heute in seiner Einrichtung viel für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie tut, kann leichter qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewinnen", sieht Bürgermeister Heinz Paus einen weiteren Vorteil.