Viel los bis Mitternacht

Paderborner Museumsnacht am 28. August

Carpe noctem - nutze die Nacht! Getreu diesem Motto öffnen am Samstag, 28. August, Museen und Galerien zur Paderborner Museumnacht von 18. Uhr bis Mitternacht ihre Türen und warten mit zahlreichen Sonderveranstaltungen auf. Und das Beste: der Eintritt ist überall frei. Das Programm an den drei Standorten Schloß Neuhaus, Heinz Nixdorf MuseumsForum (HNF) und Paderborner Innenstadt ist ebenso vielfältig wie anspruchsvoll und kann durch den kostenlosen Shuttle-Bus umfassend genutzt werden. Das Gesamtprogramm mit allen Uhrzeiten und Orten liegt in den beteiligten Einrichtungen und beim Verkehrsverein aus und ist im Internet unter www.paderborn.de abrufbar. Zum Auftakt findet in Schloß Neuhaus um 18 Uhr im Barockgarten ein großes Schlossparkkonzert mit der Nordwestdeutschen Philharmonie statt. Mit populärer Klassik präsentiert sich erstmalig der junge neue Chefdirigent des Orchesters, Eugene Tzigane, in Paderborn. Bei schlechtem Wetter findet das Konzert im HNF statt. Das Schloss selbst wird durch die Tanzperformance „Frédérics TRäume“ unter Leitung von Birgit Aßhoff zu experimenteller Musik nach Chopin lebendig. Die Städtische Galerie in der Reithalle in Schloß Neuhaus gibt sich französisch: zur Ausstellung des französischen Revolutionärs der modernen Kunst Georges Braque (1882-1963) erklingen Chansons von Jacques Brel bis Edith Piaf. Außerdem gibt es eine Kostümprobe mit dem Landestheater Detmold. Das Naturkundemuseum im Marstall zeigt einen Filmmarathon von „Das Eichhörnchen“ bis „Der Kampf um Hermanns Biotop“. Zur Erholung spielt zwischendurch die Folklore-Gruppe Allerleirauh. Nebenan im Historischen Museum im Marstall tritt das ImproTheater Emscherblut auf. Fakten und Anekdoten, Halbwahrheiten und pure Erfindung vermischen sich dort auf das Vergnüglichste. Im FORUM JUNGER KÜNSTLER sind Arbeiten von Christel Schulte-Hanhardt zu sehen. Parallel zur Museumsnacht findet das Weindorf im Marstall-Innenhof statt. Geist und Körper werden somit in Schloß Neuhaus aufs Beste versorgt. Aber auch an der Zwischenstation am Heinz Nixdorf MuseumsForum lohnt sich ein Halt, denn Geschichte und Gegenwart der Computer ist dort zum Greifen nah. Bei der Museumsrallye kann man sogar einen MP3 Player oder einen Nintendo DS gewinnen. Ob Experimentierstationen zum Abenteuer Informatik, virtuelle Realität im Softwaretheater, Tiere im Robozoo, Mindball-Bewegung, LED-Leuchten-Jonglage oder gar virtuelle Körper beim haptischen Interface Phantom - alles ist zum Ausprobieren. Highlight für Computer–Nostalgiker sind die Computerspiele aus den 1980er Jahren, die auf C64, VC 20, Atari und Apple II reaktiviert werden. Zum Bestaunen und Verstehen gibt es „Die algorithmische Welt“ des Paderborner Fotografen Jochen Viehoff, die Sonderausstellung zum 100. Geburtstag des Computerpioniers Konrad Zuse, den originalgetreuen Nachbau der Hollerithmaschine, die als Lochkartenmaschine die Welt der Datenverarbeitung revolutionierte, und die Brunsviga Rechenmaschine. Wer aus dem HNF nicht mehr weg will, kann sich in der Außenlounge mit einem Getränk entspannen oder den Kneipenlesern lauschen, wenn sie Spannendes und Skurriles zum Thema Spionage vortragen. Wer noch mehr erleben will, der kann sich in der Paderborner Innenstadt umgucken. Im Raum für Kunst kehrt noch einmal das Zigarettengespräch® zurück, im Schulmuseum präsentiert Christina Seck Max und Moritz und im Museum für sakrale Kunst stellt Inhaber Bernd Cassau einige großartige Exponate persönlich vor, u.a. ein ca. 4000 Jahre altes Weihegefäß aus dem griechischen Kulturkreis. Sakrales steht auch im Diözesanmuseum im Mittelpunkt: Hier wird die neukonzipierte Dauerausstellung „heilig“ in Führungen und Lesungen präsentiert. Ein „Renner“ aus der Meinwerk-Ausstellung lebt dort auch noch einmal auf, nämlich das Rithmomachie-Spiel. Gegenüber, im Museum in der Kaiserpfalz, folgt auf die Autorenlesung aus dem historischen Kinderbuch „Wo das Wasser salzig wird“ das Naschen vom süßen Brei nach mittelalterlicher Rezeptur. Später wechseln sich Lesungen aus historischen Epen („Karlsepos“, „Vita Meinwerci“) mit dem Saxophonspiel von Ivan Jones ab, dazu gibt es Wein. „Biergeschichten“ präsentiert dagegen das Museum für Stadtgeschichte im Adam-und-Eva-Haus: „Else Mögesie“ alias Antje Huissmann serviert mit ostwestfälischem Charme und auf ungewöhnliche Weise ausgewählte Biersorten und klärt über die Geschichte des Bierbrauens auf. Gleich mehrere Institutionen tummeln sich in der Städtischen Galerie Am Abdinghof: Der Kunstverein, das Forum für Kunst und Spiel (FoKuS) und die Galerie selbst. Die Frühkommer sind im Kreuzgang der Galerie zum Mitmachen eingeladen: Unter dem Motto „Kunst in Bewegung“ läuft, fließt und tropft dabei die Farbe auf Papier und Leinwand. Für Nachtschwärmer gibt es am späten Abend noch urkomische Comedy mit Karl-Heinz Helmschrot, dem neuen Stern am Berliner Bühnenhimmel. Auch dazwischen stehen die Galerie und ihre Umgebung nicht still. So wird der Garten der Galerie in eine illuminierte Cocktailbar verwandelt, an der Fassade ist eine Videoinstallation von Martin Brand zu sehen und das Theaterlabor Bielefeld huldigt unter freiem Himmel dem Sinn des Unsinns mit seiner Dada-Show Honkadori – Play Dada und erinnert damit an die Werke von Ella Bergmann und Robert Michel, die die größten Schätze der Städtischen Galerie Am Abdinghof darstellen. Zu sehen ist außerdem nebst „art20“, eine internationale Ausstellung mit über 320 kleinformatigen Kunstwerken in 20 x 20 cm, Rudi Punzos „Ludoarte“ (Spielkunst oder verspielte Kunst), bei der aus Müll Gebilde entstehen, die dem Verworfenen neuen Wert verleihen und wie Uhrwerke funktionieren. Zur Ausstellung von Figuren, Köpfen und Gesichtern aus dem druckgraphischen Werk des Bildhauers Stephan Balkenhol in der Galerie haben Besucher die Gelegenheit, ihr eigenes Portrait erstellen zu lassen. Ein entfernter Namensvetter von Balkenhol ist „Wooden Elephant“, eine junge deutsche Band, die mit Musik aus ihrem Album „Vielleicht viel zu leicht“ gute Laune und entspannte Augenblicke verbreitet. Und wer nach diesem bunten Programm nicht erschöpft ins Bett fällt, hat diese besondere Nacht nicht gut genutzt.