Der Krieg auf der Bildpostkarte

Ausstellung im Historischen Museum im Neuhäuser Marstall

"Der Krieg auf der Bildpostkarte" lautet der Titel der Austellung, die am Freitag, 3. September, um 17 Uhr eröffnet wird. Bis zum 14. November sind im Historischen Museum im Neuhäuser Marstall etwa 100 Bildpostkarten aus dem Ersten Weltkrieg zu sehen. Das Historische Museum im Marstall zeigt zusammen mit dem Stadtarchiv Paderborn und der Stadt Versmold diese Ausstellung. Ergänzt wird sie mit Informationstafeln des Volksbundes deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., der sie anlässlich seines 90. Geburtstages im Jahr 2009, 90 Jahre nach Kriegsende, präsentiert, sowie Ansichtskarten und anderem Bild- und Medienmaterial aus den Beständen des Stadtarchivs Paderborn. Die Auswahl des Volksbundes basiert auf der Sammlung Historische Bildpostkarten von Sabine Giesbrecht an der Universität Osnabrück. Die Druckgrafiken des Volksbundes werden bereichert mit Stücken des Stadtarchivs Paderborn. Auf sechs Tafeln werden insgesamt 33 Foto-Postkarten gezeigt, die mit einem ganz anderen Anspruch an Realität daherkommen und damals wie heute entsprechend wahrgenommen wurden. Doch nicht nur formal wird die Ausstellung des Volksbundes ergänzt, sondern auch inhaltlich. Dass die Sammlungen des Stadtarchivs einem einfachen Kriterium unterliegen, da sie nämlich in irgendeiner Form einen Bezug zur Geschichte der Stadt Paderborn besitzen müssen, erweist sich gerade hier als Glücksfall. So finden sich in der rund 13.000 Stücke umfassenden Paderborner Ansichtskartensammlung etliche Motive aus den Gefangenenlagern im Sennelager, die in der übrigen Ausstellung keine Rolle spielen. Um die Kriegsgefangenen, die schon zu Beginn des Krieges massenweise gemacht wurden, tobte bald eine Propagandaschlacht, die auf allen Seiten gefochten wurde. Weitere Themen bilden die Ausbildung für den Krieg in den Paderborner Kasernen, die mentale Mobilisierung als ein Indiz für die Totalität des Krieges sowie das Kriegsende und die bejubelte Rückkehr der Regimenter in ihre Heimatgarnisonen Paderborn und Neuhaus. In den Themen fasst das Stadtarchiv den Begriff der „Bildpostkarte des Krieges“ weiter, unter dem auch Karten verstanden werden, die insgesamt im Kontext des Krieges entstanden oder verschickt wurden. Dieser Kontext kann sich dann auch auf den Text der Karte, aufgedruckt oder beschrieben, hergestellt werden. In fünf Vitrinen schließlich schlägt das Stadtarchiv einen Bogen zu anderen (Bild-)Quellen des Ersten Weltkrieges. Gezeigt werden etwa Beispiele der fotografischen Praxis während des Krieges, zeitgenössische publizistische Niederschläge, Bildbeilagen, Archivalien aus den Gefangenenlagern und eine zeitgenössische Chronik aus Marienloh als Beispiel für die Rezeptionsgeschichte. Allesamt Dinge, die einen Besuch lohnen.