Mit der Nadel gemalt

Bis zum 27. September im "Bilderbogen"

© Stadt Paderborn

Alte chinesische Seidenstickereien sind vom 1. bis zum 27. September in der Galerie „Bilderbogen“ in der Paderborner Stadtverwaltung zu sehen. Die Kunstwerke gehören zur Sammlung von des Paderborner Ehepaares Richard Erb und seiner Frau Sigrid Tenge-Erb. Seit 1995 haben die Beiden diese Kostbarkeiten aus ganz China in ihren Besitz gebracht. Viele sind Überreste alter Kleidung, die sorgfältig aus den zerschlissenen Stoffen herausgearbeitet und wie Bilder gerahmt wurden. In den vergangenen Jahren wurde ihre umfangreiche Sammlung von mehr als 200 Stücken auch um neue Werke mit modernen Motiven erweitert. Die eindrucksvollsten werden im „Bilderbogen“ auf dem Bürgermeisterflur gezeigt. Dort können sich Interessierte einen Eindruck von der Kunstfertigkeit verschaffen, mit der Chinesinnen und Chinesen über Jahrhunderte ihre Kleidung und ihre Umwelt verschönert haben. Stickereien verschiedener Art existieren in vielen Ländern in Ost und West. Dennoch findet man nur in wenigen Ländern eine solche Kombination von Kunstfertigkeit, praktischer Anwendbarkeit und einzigartiger Schönheit wie in China. Die Anfänge der Stickerei in China reichen weit zurück in die Geschichte. Archäologische Funde haben gezeigt, dass sie in der Shang oder Chou Dynastie, also etwa ab der Mitte des 2. Jahrhunderts vor Christus ihren Ursprung haben. Anfänglich hatten die Stickereien vor allem gesellschaftliche und politische Bedeutung, denn sie dienten dazu, die Kleidung zu verzieren und so den Rang und das Ansehen einer Person zu dokumentieren. Erst später erweiterte sie ihre Funktion allmählich auch auf die Verschönerung alltäglicher Gegenstände und verbreitete sich so im Volk. Die Stickerei in China wurde nie als eine rein weibliche Tätigkeit gesehen. Sowohl Frauen als auch Männer waren in dieser Kunst aktiv. Bestickt wurden sehr unterschiedliche Gegenstände wie zum Beispiel Kleider, Theaterkostüme, Geldtaschen, Schuhe, Brillenetuis, Fahnen und vieles mehr. An einigen besonders fein gestickten Stücken arbeiteten fünf bis sechs Personen mehrere Jahre. Das Besticken von Kleidung für die Aussteuer junger Mädchen ging mit dem Ende der Qing Dynastie in 1911 mehr und mehr zu Ende. Dennoch wird diese alte Kunst in einigen Gegenden noch heute ausgeübt. Ein Zentrum der heutigen Seidenstickerei ist die Stadt Suzhou, die für die hohe Qualität ihrer Seidenstickereien bekannt ist und ein bekanntes Museum für Seidenstickerei beherbergt.