Klischees aufgebrochen

Ausstellung im "Bilderbogen" des Paderborner Stadthauses

Wenn der stellvertretende Bürgermeister Dieter Honervogt zugibt, als kleiner Junge auch schon mal mit Puppen gespielt zu haben, dann entspricht das wohl nicht ganz dem üblichen Klischee. Bei der Eröffnung der Ausstellung „Typisch männlich – typisch weiblich. Bloß in der Rolle bleiben!?!?“ in der Galerie „Bilderbogen“ des Stadthauses Am Abdinghof ergänzte Honervogt, dass ihm das durchaus Freude gemacht habe. Wie Jugendliche über solche Rollenmuster denken , das macht die Fotoausstellung der Jugendberatungsstelle der Caritas Rheine und das Jugendamtes der Stadt Rheine deutlich. Die Gleichstellungsstelle der Stadt Paderborn hat diese Ausstellung nach Paderborn geholt. Sie ist bis 10. Januar während der Öffnungszeiten der Paderborner Stadtverwaltung zu sehen. Neben Dieter Honervogt eröffneten die Gleichstellungsbeauftragte Dagmar Drüke und Dr. Claudia Mahs vom Zentrum für Geschlechterstudien/Gender Studies der Universität Paderborn, die Ausstellung. Die hier gezeigten Jungs in Mädchenkleidern könnten manchen Betrachter irritieren, so Mahs bei ihrer Einführung. Genauso wie am 15. April 1970 die damalige SPD-Bundestagsabgeordnete Lenelotte von Bothmer. Sie trug zum allgemeinen Entsetzen erstmalig einen Hosenanzug bei einer Sitzung des Deutschen Bundestages. Daran werde deutlich, Klischees sind feste Größen, die Abweichung davon eher die Ausnahme. Diese Ausstellung lege gerade Wert auf Veränderung und Erweiterung von Geschlechterrollen. Deshalb sei sie sehr bemerkenswert. In eine ähnliche Richtung ging die städtische Gleichstellungsbeauftragte Dagmar Drüke. Hier hätten sich Jugendliche aktiv mit ihren Rollenbildern auseinandergesetzt. Dies sei zum Schmunzeln, zum Grübeln oder zum Stutzen. Das Arbeiten an solchen Rollenbildern sei der Gleichstellungsstelle der Stadt Paderborn ganz wichtig. Die beteiligten Jugendlichen bekamen innerhalb des Projektes die Aufgabe, die typischen Rollenklischees in der Gesellschaft zu untersuchen, sie darzustellen, mit diesen zu spielen und sie gegebenenfalls aufzubrechen. „Wir möchten Schülerinnen und Schüler, Jugendliche und junge Erwachsene in Paderborn dazu ermuntern, sich anhand der Ausstellung einmal mit ihrem eigenen Rollenverständnis auseinander zu setzen“, so Dagmar Drüke. „Denn“, so Drüke: „die Verwirklichung von Gleichstellung in der Gesellschaft ist eng verbunden mit einem umfassenden Prozess des Abbaus von Rollenstereotypen. So prägt zum Beispiel eine geschlechtsspezifische Arbeitsteilung in Familie und Erwerbsleben nach wie vor die Lebenswirklichkeit von Frauen und Männern.“ Ziel der Ausstellung sei es, auf ein freieres Rollenverständnis, auf Offenheit und Toleranz, nicht nur bei Jugendlichen, hinzuwirken.