Fit für Libori: Neues im Museum

Paderborner Stadtgeschichte in aktualisierter Form

© Stadt Paderborn

Pünktlich zum Libori-Fest öffnet das Museum für Stadtgeschichte im Adam-und-Eva-Haus ab Montag, 26. Juli, neue Bereiche zur Paderborner Stadtgeschichte. Einheimischen und den vielen Besuchern des Festes werden nach der Retrospektive mit Werken von Willy Lucas jetzt die Themen vom 17. bis 20. Jahrhundert in aktualisierter Form dargeboten. So findet sich in der Abteilung zum Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) der Pfaffenfeindtaler oder auch Gottesfreundtaler aus der Sammlung des Altertumsvereins Paderborn, eine Spottmünze, die der protestantische Herzog Christian von Braunschweig 1622 nach der Eroberung der Stadt prägen ließ. Acht Tage hindurch wurde die Stadt ausgeraubt und erpresst. Alle Bürger mussten in voller Rüstung auf dem Rathausplatz erscheinen. Auch die Protestanten wurden aufgefordert, die Waffen abzugeben. Er verschonte sie nicht mehr und ließ nun auch ihre Häuser plündern. Im April 1622 verließ von Braunschweig endgültig Paderborn. Das 18. Jahrhundert prägten Bischöfe wie Clemens August von Bayern (1719-1761) sowie Wilhelm Anton von der Asseburg (1763-1782). Von Bischof Asseburg wurde gesagt, dass er „das Lob eines guten Bischofs und eines guten Regenten für sich“ habe. Trotzdem gab es viele kritische Berichte über den Zustand des Bistums am Ende des 18. Jahrhunderts. 1802 beschrieb man es folgendermaßen: „Die Landschaften befinden sich in einem elenden Zustand, Unwissenheit, Bigotterie und Aberglaube sind den Paderborner Landleuten eigen.“ Im 19. Jahrhundert war Paderborn eine Landstadt in der beengten mittelalterlichen Ummauerung. Seine zentralörtliche Bedeutung als Regierungssitz eines Fürstbistums hatte die Domstadt seit der Säkularisation 1802 verloren. Ihr historisches Aussehen, in dem Fachwerkhäuser dominierten, blieb erhalten. Überwiegend lebte die Bevölkerung vom Handwerk und Handel sowie teilweise von der Landwirtschaft. Ein einschneidendes Ereignis im 19. Jahrhundert war der Ükernbrand im Jahr 1875, den das Museum thematisch und bildlich aufgreift. Durch den Brand wurde das Aussehen der Stadt verändert, aus Stein gemauerte Wohnhäuser, repräsentative öffentliche Gebäude, breite Alleestraßen, an denen stattliche Häuser standen, bestimmten nun das Bild von vielen Straßen. Ein Modell, das Paderborn um 1850 zeigt, veranschaulicht eindrucksvoll die Stadt innerhalb der noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts bestehenden Stadtmauer. Der Zweite Weltkrieg (1939-1945) war auch für Paderborn ein einschneidendes Ereignis. Die Stadt wurde zu 85 Prozent zerstört. Mit dem letzten Bombenangriff vom 27. März 1945 verwandelte sich die Stadt in ein Trümmerfeld und Flammenmeer. In der Innenstadt war kaum noch ein Haus bewohnbar. Eine Bildstrecke, die Paderborn vor und nach dem Krieg sowie die Jahre des Wiederaufbaus zeigt, schildert die Veränderung der Stadt. Ein Kurzfilm von Joseph Mertens (1908-1995), der im Mai 1946 einen Gang durch das zerstörte Paderborn festhält, rundet den Ausstellungsbereich ab. Es sind die einzigen zusammenhängenden Filmdokumente aus dieser Zeit. Das Museum für Stadtgeschichte im Adam und Eva-Haus hat täglich, außer montags, in der Zeit von 10-18 Uhr geöffnet. Ein geschultes Personal bietet Themenführungen durch das Haus an. Informationen unter 05251/88 235 01 und www.paderborn.de/stadtmuseum.