Die Pflege bietet Arbeitsplätze mit Zukunft für Migrantinnen und Migranten
Abschlussveranstaltung zum KOMM-IN-Projekt 2009/2010
Die Angebote der Altenhilfe sind nach Einschätzung von Experten vielen Menschen mit Zuwanderungsgeschichte nicht bekannt. Deshalb hat die Stadt Paderborn Mitte 2009 das Projekt „Verbesserung der Angebote und Prozesse in der Altenhilfe für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte“ begonnen. Mit dem jetzt abgeschlossenen Projekt hat die Stadt Paderborn die Menschen in den Blick genommen, die vor vielen Jahren als angeworbene sogenannte Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter oder als Aussiedlerinnen und Aussiedler nach Paderborn kamen. Inzwischen sind viele von ihnen ins Rentenalter gekommen. Der Wunsch nach einer Rückkehr ins Herkunftsland hat sich nicht erfüllt. Es geht also darum, sich mit den Möglichkeiten und Bedingungen eines gelingenden Lebens im Alter in Paderborn zu beschäftigen. Der Beigeordnete der Stadt Paderborn Wolfgang Walter bedankte sich in seiner Begrüßungsrede bei den vielen Migrantinnen und Migranten, die in Zukunft - angeregt durch das Projekt - als Sprach- und Kulturmittlerinnen und -vermittler eine Brücke schlagen wollen zwischen ihren jeweiligen Landsleuten und den vielfältigen Altenhilfeträgern in Paderborn. Der Dank galt auch den Wohlfahrtsverbänden, die sich für die besonderen Fragestellungen von Zugewanderten öffneten und ihre Dienste Schritt für Schritt kultursensibel ausrichten werden. In seiner Ergebnispräsentation betonte Hans Wietert-Wehkamp vom Institut für soziale Innovation: „Wenn man nur auf die Zahlen schaut, muss man feststellen, dass der Anteil der über 70-jährigen Zugewanderten noch sehr gering ist. Der Unterstützungs- und Pflegebedarfe wird auf Grund der Umstände der Migration aber früher einsetzen, deshalb muss die Altenhilfe sich auf diese Situation vorbereiten!“ Wie die Studie gezeigt hat, sind die Zugangswege zur Altenhilfe bisher noch unzureichend. Weder kennen Migrantinnen und Migranten die komplexe Angebotsstruktur der Altenhilfe, noch sind die Verbände als Träger von Diensten und Einrichtungen auf die kulturell und religiös bedingten besonderen Herausforderungen ausreichend vorbereitet. Der Mythos, dass die Familie alles regeln kann, ist aufgrund der Wohnsituation, der Mobilitätsanforderung an die berufstätigen Kinder und Enkel nicht mehr aufrecht zu erhalten. Zugewanderte bezeichneten „Alleinsein“ als ihre größte Sorge in Bezug auf das Älterwerden. Barbara Matina vom Bildungszentrum für Gesundheits- und Sozialberufe St. Johannisstift, in dem die Abschlussveranstaltung stattfand, machte deutlich: „Wir brauchen dringend Pflegefachkräfte aus den ehemaligen Anwerbestaaten.“ Ein ausgebildeter KFZ-Mechaniker türkischer Herkunft ist seit dem 1. April 2010 beim Johannisstift in der Pflegeausbildung: „Ich habe im Rahmen des Projektes von den beruflichen Chancen gehört und mich gleich beworben.“ Die Gewinnung von Pflegefachkräften mit Zuwanderungsgeschichte ist eine Strategie im Bereich der Personalentwicklung, mit der besonders die ambulanten Pflegedienste auf die neuen Herausforderungen reagieren wollen. Eine enge Kooperation mit Migrantenorganisationen, regelmäßige Informationsveranstaltungen oder die Qualifizierung und Begleitung von ehrenamtlichen Sprach- und Kulturmittlern sind weitere Handlungsansätze, die im Rahmen des Projektes konzipiert wurden. „Gut, dass die Stadt Paderborn das Thema aufgegriffen hat. Wir werden als Integrationsrat die aufgeworfenen Fragen weiter im Blick halten.“ bemerkte Ayhan Demir, Vorsitzender des Integrationsrates der Stadt Paderborn. Weitere Auskünfte zum Projekt erteilt das Integrationsbüro der Stadt Paderborn unter der Telefonnummer 88-1359 oder per E-Mail unter der Anschrift m.heidebrechtpaderbornde. Die Projektdokumentation findet sich auch im Internet unter www.paderborn.de/integration.