Paderborn erzieht FAMOS

Auftakt zur landesweiten Modellregion für Erziehung

Paderborn. Paderborn erzieht FAMOS. Die ostwestfälische Großstadt wird zur landesweiten Modellregion für Erziehung. Seit Jahren hat die Stadt mit einer ganzen Reihe von Projekten die frühkindliche Erziehung gefördert und sich für Familienfreundlichkeit eingesetzt. Jetzt möchte sie dies mit dem Projekt "FAMOS" (Familien optimal stärken) fortsetzen. Gemeinsam mit starken Partnern aus den Bereichen Medizin, Bildung, Justiz, Soziales, Psychotherapie und Wissenschaft werden Paderborner Familien in einem bundesweit bisher einmaligen Praxisversuch flächendeckend mit präventiven Angeboten versorgt. Das Ganze wird wissenschaftlich begleitet, wobei die Auswirkungen nach objektiven Kriterien, wie beispielsweise Jugendkriminalitätsrate oder Kindeswohlgefährdungen, untersucht werden. Bei dem zweijährigen Projekt werden in einem ersten Schritt stadtweit Fachkräfte mit den Präventionsprogrammen geschult. Die Fachkräfte sollen dann ihre Kenntnisse in verschiedenen Trainings an insgesamt etwa 5.500 Familien weitergeben. Den Auftakt für das Projekt gaben am Montag im Paderborner Rathaus NRW-Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter, Paderborns Bürgermeister Heinz Paus, der zuständige Beigeordnete Wolfgang Walter, Jens Gnisa, Sprecher des Bundes der Richter und Staatsanwälte in NRW, Burkhard Lawrenz, Landesvorsitzender des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendmediziner NRW, Udo Beckmann, Landesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) sowie Monika Konitzer, Präsidentin der Psychotherapeutenkammer NRW. "Das Modellprojekt soll Eltern und andere an der Erziehung von Kindern beteiligte Personen in manchmal schwierigen Alltagssituationen unterstützen, indem sie zuvor mit Hilfe von wissenschaftlich anerkannten Präventionsprogrammen geschult wurden", so NRW-Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter. Ziel sei es, die Erziehungskompetenz zu stärken, damit die gesunde Entwicklung von Kindern und Jugendlichen ermöglicht werde und auffälliges, aggressives Verhalten vermindert werden könne. "Paderborn bietet sich als Modellregion hervorragend an, da die frühkindliche Förderung mit Projekten, wie 'Kind & Ko', 'KOSIAN' und dem Familien-Service-Center im Rathaus, seit langem ein Schwerpunkt bei uns ist", so Paderborns Bürgermeister Heinz Paus, der sich für die Modellregion besonders engagiert hat. Es sei einfach, sich über aggressives Verhalten von Kindern und insbesondere von Jugendlichen zu empören. Viel schwieriger sei es, Kindern und Jugendlichen zu helfen, ihre emotionalen und sozialen Konflikte ohne Gewalt zu lösen. "Deshalb begrüßt es die Psychotherapeutenkammer NRW sehr, dass die Stadt Paderborn Familien rechtzeitig und wirksam unterstützen will", so Monika Konitzer, Präsidentin der Psychotherapeutenkammer NRW. Initiiert und vorangetrieben hat dieses Modellprojekt der Bund der Richter und Staatsanwälte in NRW. "Der Weg, genau hier anzusetzen, die Erziehungskompetenz der Eltern über Präventionsprogramme zu stärken und das Ergebnis wissenschaftlich anhand von Fakten zu überprüfen, ist deshalb richtungsweisend", unterstreicht Jens Gnisa, Sprecher des Bundes der Richter und Staatsanwälte in NRW. "Bei dem Projekt 'Modelregion Erziehung' handelt es sich um ein innovatives Konzept, das von den Kompetenzen unterschiedlicher Professionen lebt und nach dem Prinzip 'Prävention statt Reaktion' funktionieren soll", stellt Udo Beckmann, Bundesvorsitzender und NRW-Landesvorsitzender des Verbandes für Bildung und Erziehung (VBE) fest. Deshalb unterstütze es der VBE. "Es gibt viele Bücher zu Erziehungsfragen, bisher fehlt jedoch ein flächendeckendes, niederschwelliges Angebot an Präventionsprogrammen zur Stärkung der elterlichen Erziehungs- und Beziehungskompetenz", sieht Burkhard Lawrenz, Landesvorsitzender des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendmediziner NRW die bisherige Situation. Sein Verband stelle sich deshalb voll und ganz hinter das Projekt zur Gewaltprävention und Stärkung von Familien und begrüße die gute Zusammenarbeit der beteiligten Institutionen.