Hellweg-Original jetzt zu sehen
Historisches Museum im Marstall präsentiert Neues
Vor zehn Jahren war es eine archäologische Sensation, als Forscher im Balhorner Feld Originalfahrspuren des Hellweges entdeckten. Jetzt können Besucher einige Quadratmeter des mittelalterlichen Weges im Historischen Museum im Neuhäuser Marstall entdecken. Gezeigt wird außerdem ein Film zur Bergungs- und Restaurierungsgeschichte. Die Balhorn-Ausgrabung findet auch weiter zunehmende überregionale und internationale Beachtung. So bestätigten norwegische Forscher, dass es nach wie vor keine ältere Maultrommel gibt als die vom Hellweg, die in Balhorn gefunden wurde. Die Schmiedemarke der Maultrommel kommt europaweit nur noch ein weiteres Mal in exakt gleicher Form vor, nämlich in Wiler in der Schweiz. In der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Archäologisches Korrespondenzblatt" wird unter anderem eine vergoldete Brosche mit Elfenbeinschnitzerei vom Stedener Feld abgebildet. Es wird angenommen, dass dieses schwer einzuordnende Objekt aus dem Mittelmeerraum stammt (Byzanz/Ägypten/Syrien). Diese und andere Objekte sind nun auch in der großen Ausstellung „Ritter, Burgen und Intrigen Aufruhr 1225. Das Mittelalter an Rhein und Ruhr“ im LWL Museum für Archäologie in Herne als Leihgaben zu sehen. Im Marstall wird jetzt auch erstmals der Frage nachgegangen, ob das Römerlager Aliso in Elsen lag. Es wird ausgestellt, was bei den Ausgrabungen auf dem Areal der ehemaligen Siedlungen Stiden und Paderborn tatsächlich aus der Zeit vor 2000 Jahren entdeckt worden ist. Dr. Norbert Börste, Leiter des Historischen Museums im Marstall, hat zusammen mit den Archäologen Dr. Georg Eggenstein und Robert Gündchen in den letzten Monaten diesen neuen Ausstellungsbereich erarbeitet. Die Neuhäuser Gegend hat schon immer für Altertumsforscher und Archäologen eine sehr große Rolle gespielt. So war Fürstbischof Ferdinand von Fürstenberg überzeugt, in Elsen das sagenhafte Römerlager Aliso aus der Zeit des Kaisers Augustus lokalisieren zu können, das jetzt aber mit Haltern in Verbindung gebracht wird. In der Zeit des Kaisers Augustus stand der westfälische Raum im Blickpunkt der Weltgeschichte. Ab 12 vor Christus kam es zu Feldzügen der Römer in das Gebiet rechts des Rheins, und entlang der Lippe wurden in Dorsten-Holsterhausen, Haltern, Lünen-Beckinghausen, Bergkamen-Oberaden und Delbrück-Anreppen Legionslager errichtet. Nach der Niederlage des römischen Statthalters Varus im Jahr 9 nach Christus eroberten die Germanen alle Römerlager bis auf eins: das berühmte Aliso. Diesen Standort unter dem Kommandanten Caedicius belagerten die Germanen ohne Erfolg, wie Velleius (* um 20 v. Chr.; † nach 30) und andere römische Schriftsteller berichten. Zudem ist Aliso das einzige Römerlager rechts des Rheins, dessen antiken Namen wir kennen. Aber wo lag Aliso? Dazu gibt es viele Theorien. Schon der Paderborner Fürstbischof Ferdinand von Fürstenberg (1626-1683) war der Ansicht, dass das antike Aliso in dem Ort Elsen zu identifizieren ist. Heute hält es die Forschung für wahrscheinlich, dass mit Aliso das Römerlager Haltern gemeint ist. Als einziges westfälisches Römerlager war es offenbar nach der Varusschlacht noch belegt und zeigt außerdem Hinweise auf eine Belagerung. Die Suche nach Aliso war der Anlass für die ersten archäologischen Forschungen in der Paderborner Gegend. Im Sommer 1913 führte Konstantin Koenen, Mitglied des Kaiserlichen Deutschen Archäologischen Instituts, im Raum Schloß Neuhaus und Elsen Ausgrabungen durch. An einer der Grabungsstellen wurde ein Gebäudegrundriss freigelegt, der allerdings ins Mittelalter datierte. Das Haus gehörte zu der verlassenen Siedlung Stiden, die von 1995 bis 1997 noch einmal umfassend untersucht wurde. Von Aliso fand sich aber, ebenso wie bei weiteren Grabungen in Elsen 1951, keine Spur. Wenn auch Aliso wohl nicht in Elsen oder Schloß Neuhaus gelegen hat, so war der Paderborner Raum vor 2000 Jahren doch schon dicht besiedelt. Dies belegen zahlreiche Spuren, die bei den großen Ausgrabungsprojekten der letzten Jahre gefunden worden sind. In der Gemarkung Saatental an der Barkhauser Straße legten die Archäologen am Ostufer der Alme eine germanische Siedlung mit vielen Häusern frei. Sie war von der Mitte des 1. Jahrhunderts vor Christus an etwa 100 Jahre lang kontinuierlich bewohnt, also auch während der römischen Feldzüge in Westfalen. Irgendwelche Kriegseinwirkungen waren hier jedoch nicht zu erkennen.