Alte Domschule im Foto
Paderborner Stadtarchiv freut sich über seltene Aufnahme
Einen außergewöhnlichen Zugang aus Privathand konnte jüngst das Stadtarchiv Paderborn verzeichnen: Ein Foto von der alten Domschule am Domplatz. Das Foto, um 1900 von Wilhelm Köppelmann aufgenommen, befindet sich in einem ausgezeichneten Zustand. Es besticht nicht nur mit seinem seltenen Motiv, von der Schule ist nur eine einzige weitere Aufnahme bekannt, sondern auch mit seiner Tiefenschärfe, dem Bildaufbau und den ideenreichen „Nebensächlichkeiten“. Das Foto ist vom Fotografen signiert und war vermutlich ein Geschenk, auf jeden Fall ein Erinnerungsstück. Hierfür spricht die Größe des Abzuges von 20x28 cm sowie die handschriftliche Notiz: „Die frühere Domschule, an der Herr Franz Förster von 1860 bis 1889 als I. Lehrer gewirkt hat.“ Dazu ist ein bildungsreicher Sinnspruch aus Goethes „Tasso“ vermerkt und auf der Rückseite der Totenzettel Försters angebracht, dessen Grab sich auf dem Paderborner Ostfriedhof befindet. Die Domschule wurde ab November 1846 in unmittelbarer Nachbarschaft des Domes, links im Bild noch zu erkennen, neben dem damaligen Generalvikariat errichtet und zwei Jahre später als Dom-Knabenschule bezogen. Die Knaben genossen ihren Unterricht bis 1889, dann zogen hier die Mädchen ein. (Insofern passt das Foto nicht ganz zu Försters Wirken, da er ausschließlich an der Knabenschule unterrichtet hatte.) Der gesamte Komplex, einschließlich der Wohnhäuser rechts der Schule, Domplatz 7 und 9, wurde 1907 für den Neubau des Generalvikariats abgebrochen, die Mädchen zogen in die Hathumarstraße. Das Foto ist für das Stadtarchiv eine höchst willkommene Ergänzung seiner Bestände, unter denen sich auch die Chronik der alten Domschule am Domplatz befindet, deren Geschichte Theodor Fockele in seiner „Kleinen Paderborner Schulgeschichte“ 2008 erzählt hat.