Tanzprojekt wandert

Frédérics Garten in Schloß Neuhaus

Von Christi Himmelfahrt, 13. Mai, bis Sonntag, 16. Mai, findet jeweils um 16 Uhr in Schloß Neuhaus das Tanz- und Musikprojekt „Frédérics Garten“ statt. Alles daran ist ungewöhnlich. Das beginnt mit dem Schauplatz: Das etwa einstündige Tanztheater zieht sich durch alle historischen Räume im Schloss herunter in den Innenhof bis zuletzt in den Barockgarten. Es tanzen keine Balletteleven, sondern neugierige Siebt-, Acht- und Zehntklässler der Friedrich-von-Spee-Gesamtschule, die sich unter Birgit Aßhoffs Leitung intensiv auf das Abenteuer Tanz einlassen. Das Ambiente des Schlosses ist ebenso weit weg von ihrer Alltagswelt wie die Gedankenwelt und die Musik des Namensgebers: „Frédéric“ ist niemand anderer als Frédéric Chopin, der Garten ist der Ort von Sehnsucht und Träumen. Auch die Musik ist ungewöhnlich, denn nur zu einem kleinen Teil gibt es Originalmusik von Chopin, das meiste aber klingt nicht nur elektronisch, sondern ist es auch. Manchmal erkennt man Chopin dahinter nicht mehr, doch die Musik ist von Stimmungen inspiriert, die auch den romantischen Komponisten bewegten. Manche Passagen werden leibhaftig am Flügel gespielt, anderes wird live elektronisch produziert, wieder anderes ist im Studio vorproduziert. Eckhard Wiemann und Timo Buczka von der Uni Paderborn haben diese Musik zusammengestellt, komponiert und produziert und führen sie auch auf. Eingebettet ist das ganze Projekt in die vom Land geförderte Reihe „Tanz OWL“ und in das Chopin-Jahr Paderborn zum 200. Geburtstag des Komponisten. Das Kultursekretariat NRW Gütersloh fördert das Projekt im Rahmen seiner Community Dance Förderung. Das Kulturamt der Stadt Paderborn ist der Veranstalter, die Universität ist Kooperationspartner. Birgit Aßhoff und ihre Assistentinnen sind nicht zum ersten Mal mit einem „Community Dance Projekt“ an der Spee-Schule. 2009 entstand dort ein Projekt für das Festival "Musica sacra" Paderborn. Birgit Aßhoff ist voll des Lobes: „Die Anzahl der Jugendlichen hat sich jetzt verdoppelt. Es hat sich offenbar herumgesprochen, dass Tanz nicht nur anstrengt, sondern auch Spaß macht und spannend ist. Die Schule ist wunderbar, denn hier wird auf kreative Förderung großer Wert gelegt. Das Projekt wird in den Unterricht eingebunden. Man fühlt sich willkommen.“ Dennoch ist es eine Herausforderung, es im Schulalltag in viereinhalb Wochen mit nur sechs Probestunden pro Woche zu realisieren. Das Maß einer 45 Minuten langen Schulstunde bringt die Choreographin schon mal zur Verzweiflung: „Kaum ist man aufgewärmt und in eine Tanzsequenz eingetaucht, schon eilen die Jugendlichen wieder in den Physiksaal, lösen Mathe-Aufgaben oder widmen sich den Englisch-Vokabeln. Dennoch entsteht ein fantasievolles und bezaubernd eigensinniges Tanzstück“, ist sie sich sicher. Das liege auch daran, dass einige der Jugendlichen schon zum zweiten Mal dabei sind. Ihr Interesse, ihre Aufmerksamkeit und Eigeninitiative sei merklich gestiegen. Mittlerweile seien alle, auch die Neuen, vom Tanzvirus befallen. „Jedenfalls sitzt man nicht rum!“ sagt ein Gruppenmitglied mit einer Mischung aus Begeisterung und Erschöpfung. „Eine Chance, in der Pause eine Tüte Chips zu kaufen, gibt es auch nicht“, fügt jemand anderes hinzu und weiß nicht, ob das gut oder schlecht ist. Birgit Aßhoff schmunzelt. Sie denkt an das Gerede über Sekundärtugenden oder auch an den Übervater des Community Dance, Royston Maldoom, mit seinem Credo „Change your life in a dance class.“ Dabei ist die Musik noch nicht fertig. Das liegt nicht daran, dass die Musiker nicht rechtzeitig fertig geworden wären, sondern an der engen Zusammenarbeit zwischen Musikern und Choreographinnen. Immer noch wird gefeilt, immer noch gibt es Wünsche, immer noch bringt die Zusammenarbeit neue Aspekte hervor, die in das Projekt einfließen. Eckhard Wiemann grinst: „Bei Mozarts „Don Giovanni“ soll bei der Uraufführung die Tinte auf dem Notenpapier noch nass gewesen sein.“ Es bleibt also spannend bis zur Premiere an Christi Himmelfahrt. Karten für neun Euro (ermäßigt sechs Euro) gibt es im Paderborner Ticket-Center am Marienplatz, Telefon (05251) 2 99 75 0 und im Sekretariat der Friedrich-von-Spee-Schule und, soweit vorhanden, an der Tageskasse. Wegen der begrenzten Sichtmöglichkeiten beim Tanz durch die historischen Räume im Schloss gibt es pro Vorstellung nur eine geringe Anzahl von Karten.