Altwerden in der Migration
Informationsveranstaltung im Islamischen Zentrum Paderborn
Die Angebote der Altenhilfe sind nach Einschätzung von Experten vielen Menschen mit Zuwanderungsgeschichte nicht bekannt. Deshalb hat die Stadt Paderborn Mitte 2009 das Projekt „Verbesserung der Angebote und Prozesse in der Altenhilfe für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte“ begonnen. Man hat die Menschen in den Blick genommen, die vor vielen Jahren als angeworbene sogenannte Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter oder Aussiedlerinnen und Aussiedler nach Paderborn kamen. Inzwischen stehen viele von ihnen vor dem Rentenalter. Der teils vorhandene Wunsch nach einer Rückkehr ins Herkunftsland hat sich nicht immer erfüllt. Es geht also darum, sich mit den Möglichkeiten und Bedingungen eines gelingenden Lebens im Alter in Paderborn zu beschäftigen. In diesem Kontext führt die Arbeitsgruppe 6 „Altwerden in der Migration“ des KOMM-IN Prozesses der Stadt Paderborn in Zuwanderervereinen Informationsveranstaltungen zu den Themen Pflegeberatung, Hausnotruf usw. durch. Unter den Referenten sind Mitarbeiter des AWO Kreisverbandes Paderborn, des Caritas-Verbandes Paderborn und der Stadt- und Kreisverwaltung Paderborn. Marcus Heidebrecht, Integrationsbeauftragter der Stadt Paderborn: „Wir möchten durch diese Veranstaltungen in den Räumen der Vereine eine Brücke schlagen zwischen den Menschen mit Zuwanderungsgeschichte und den vielfältigen Angeboten der Pflegeberatung in Paderborn.“ Rita Berief, AWO: „Die kultursensible Öffnung der Einrichtungen der Altenhilfe hat längst begonnen, ist bei den möglichen Kunden aber noch nicht bekannt.“ Alla Neigum von der Katholischen Hochschule Paderborn betont: „Wenn man nur auf die Zahlen schaut, muss man feststellen, dass der Anteil der über 70-jährigen Zugewanderten noch sehr gering ist. Der Unterstützungs- und Pflegebedarf wird auf Grund der Umstände der Migration aber früher einsetzen, deshalb muss die Pflegeberatung sich auf diese Situation vorbereiten.“ Wie das Projekt zeigt, sind die Zugangswege zur Pflege bisher noch unzureichend. Weder kennen Migrantinnen und Migranten die komplexe Angebotsstruktur der Pflege, noch sind die Verbände als Träger von Diensten und Einrichtungen auf die kulturell und religiös bedingten besonderen Herausforderungen ausreichend vorbereitet. Der Mythos, dass die Familie alles regeln kann, ist aufgrund der Wohnsituation, der Mobilitätsanforderung an die berufstätigen Kinder und Enkel nicht mehr aufrecht zu erhalten. Vereinsmitglieder benannten die Frage „Wer kümmert sich um mich, wenn ich krank bin?“ als ihre größte Sorge in Bezug auf das Älterwerden. Christa Kröger vom Kreis Paderborn (Pflegeberatung) verdeutlicht, dass Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in den Pflegeberufen dringend benötigt werden und sehr gute Aussichten auf Ausbildungs- und Arbeitsplätze bestehen. Weitere Auskünfte erteilt das Integrationsbüro der Stadt Paderborn unter der Telefonnummer 05251/88-1359 oder per E-Mail unter m.heidebrechtpaderbornde. Internet: www.paderborn.de/integration.