Schulministerin startet Modellprojekt „Kinderbildungshaus“ in Paderborn
Für einen kinderleichten Übergang
Der Übergang von der Kita zur Grundschule soll einfacher und besser werden – für die Kinder sowieso, aber auch für deren Eltern, Erzieherinnen und Lehrerinnen. Mit diesem Ziel startete jetzt in Paderborn das landesweit einmalige Modellprojekt „Kinderbildungshaus“. Schulministerin Sylvia Löhrmann signalisierte bei der Vertragsunterzeichnung ihre volle Unterstützung für das Vorhaben. Die beiden städtischen Kitas Fontane und Familienzentrum Lange Wenne sowie die Grundschule Stephanus wollen zum Kinderbildungshaus zusammenwachsen. Dazu verpflichteten sich die drei Leiterinnen Birgit Günther, Marietheres Bergschneider und Andrea Woitschek mit ihren Unterschriften, die sie im Rahmen der Auftaktveranstaltung im Paderborner Rathaus leisteten. Dabei stehen sie jedoch nicht allein. Paderborns Schulamtsdirektorin Marlies Böke unterschrieb die Kooperationsvereinbarung ebenso wie Paderborns Bürgermeister Heinz Paus, Vizepräsidentin Prof. Dr. Dorothee M. Meister für die Universität Paderborn und Stefan Wolf für die Detmolder Peter Gläsel Stiftung. Das Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Paderborn zeichnet für die Evaluation des Projektes verantwortlich, die über drei Jahre laufen soll. Die Peter Gläsel Stiftung, die sich unter anderem auf dem Feld der frühkindlichen Bildung engagiert, bringt sich sowohl inhaltlich wie finanziell ein. „Kind und Ko“, das Bildungsbüro der Stadt Paderborn, fungiert als Geschäftsstelle für das Modellprojekt. Drei Säulen bilden das Fundament des Kinderbildungshauses und der verbesserten Förderung für die Kinder: Kooperation, Elternarbeit und gemeinsame Fortbildungen. Kitas und Grundschule werden in gemeinsamen Dienstbesprechungen Ziele, Regeln, Aufgaben, Arbeitsweisen und Organisationsformen vereinbaren, die für alle drei Einrichtungen verpflichtend sind. Die Eltern sollen verstärkt Möglichkeiten zur Mitarbeit und zur Mitbestimmung erhalten. Veranstaltungen für Eltern – vom Elterncafé über Informations- und Beratungsveranstaltungen bis zur Hilfe bei der Erziehungsarbeit – sollen stets gemeinsam von Kita und Grundschule angeboten werden. Erstes konkretes Vorhaben sind aufeinander abgestimmte Experimente und Versuche, die die Kinder von den Kitas bis zur Grundschule systematisch mit Naturwissenschaft und Technik vertraut machen. Die gemeinsame Planung dieser Experimente sorgt für einen bruchlosen Übergang vom Elementar- zum Primarbereich, soll aber auch selbstständiges Denken und Handeln, forschendes Lernen und den verbalen Austausch darüber fördern. Als weitere Handlungsfelder sind musikalische Früherziehung, Bildungs- und Lerngeschichten, mathematisch-logische Förderung, Spracherziehung und der Aufbau von Mitwirkungsorganen vorgesehen. Das Kinderbildungshaus versteht sich keinesfalls als „geschlossene Veranstaltung“ für die drei beteiligten Einrichtungen. Gabriele Mikus vom Bildungsbüro „Kind und Ko“ ist es wichtig, dass Kinder aus den beiden Kitas selbstverständlich auch andere Grundschulen wählen können, wie auch Kinder in der Stephanusschule eingeschult werden, die zuvor nicht die Kita Fontane oder das Familienzentrum Lange Wenne besucht haben. Außerdem sollen von Anfang an weitere Kitas und Grundschulen von dem Modellprojekt profitieren. Es wird daher eine „Gemeinschaft der BildungshausPartner“ gegründet, die an den Ergebnissen des Projektes teilhaben soll. Schon jetzt liegen dazu Bewerbungen von 42 Kitas und 14 Grundschulen vor, die sich bereits in der Vergangenheit mit Fragen des Übergangs befasst haben. Schulministerin Löhrmann hoffte in ihrer Rede sogar landesweit „auf große Strahlkraft“ des Paderborner Modellversuchs. Schließlich seien Kita und Grundschule immer noch zwei, wenn auch benachbarte, Welten. „Das wollen wir mit dem Kinderbildungshaus ändern“, betonte Löhrmann.