Jungen als Erzieher?

Pilotprojekt am Boys' Day in der Friedrich-von-Spee-Gesamtschule

© Stadt Paderborn

Jungen als Erzieher? ..oder als Sozialpädagoge oder Krankenpfleger? Diese Frage stellten sich am ersten bundesweiten Boys’ Day – Jungen-Zukunftstag am 14. April, Schüler der 8. Klassen der Friedrich-von-Spee Gesamtschule in Paderborn. Auf Initiative der Gleichstellungsstelle der Stadt bot sich den Schülern dabei eine besondere Gelegenheit der Berufsorientierung. So schilderten Erzieher Bernd Zink, Sozialpädagoge Marco de Luca (beide vom Jugendamt der Stadt Paderborn) sowie Frank Weritz, Pflegedienstleiter beim Caritas-Verband Paderborn, über ihre Erfahrungen. Aus erster Hand wurden die Jugendlichen zum Beispiel über den Alltag eines Erziehers und dessen Verdienstaussichten informiert. Sven Möhlmann und Astrid Knipping (bei von pro familia), diskutierten zudem die Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern und Rollenbilder mit den Jungen. Die Lehrkräfte Elisabeth Roth-Rings und Klaus Ferlemann sowie die Schulsozialarbeiterin Luzia Ostendorf organisierten den Ablauf des Pilotprojektes.„Wenn wir mit diesen Angeboten dazu beitragen, dass Jungs nicht nur mehr Respekt und Anerkennung vor den bislang frauentypischen Berufen haben, sondern auch Interesse dafür zeigen, dann sind wir auf dem richtigen Weg", so Dietrich Honervogt, stellvertretender Bürgermeister. Er vertrat Bürgermeister Heinz Paus, der die Schirmherrschaft des Paderborner Boys‘ Day übernommen hatte. Es sei gerade das persönliche Beispiel der Personen aus der Praxis, das bei unseren Jugendlichen sehr gut ankomme, sieht Detlef Strauß, Schulleiter der Friedrich-von-Spee-Gesamtschule, die Vorteile dieser Aktion. „Mit diesem Pilotprojekt möchte ich auch andere Paderborner Schulen ermutigen, den Boys‘ Day aktiv für die Berufsorientierung der Schüler zu nutzen, sei es durch Praktika oder wie im Rahmen des Pilotprojektes durch ein konkretes Programm vor Ort“, so Dagmar Drüke, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Paderborn. Im Rahmen der Erfahrungen der vergangenen Jahre habe die Gleichstellungsstelle festgestellt, dass Jungen diesen Tag noch nicht so gut nutzen wie Mädchen den Girls‘ Day, der jeweils am selben Tag stattfindet, so Drüke. Es zeige sich aber bereits ein Aufwärtstrend: Im vergangenen Jahr hätten die Paderborner Unternehmen und Institutionen 42 Praktikumsplätze über die Homepage des Boys‘ Day angeboten. In diesem Jahr seien es bereits 169 Plätze gewesen. Jungen haben vielfältige Interessen und Kompetenzen. Ihre Berufswahl und Lebensplanung ist dennoch häufig sehr traditionell ausgerichtet. Mehr als die Hälfte der männlichen Auszubildenden entscheidet sich für einen von zwanzig jungentypischen Ausbildungsberufen im dualen System – kein einziger aus dem sozialen, erzieherischen oder pflegerischen Bereich ist darunter. Gerade in diesen Bereichen sind Männer deutlich unterrepräsentiert. Gleichzeitig sind in diesen Berufsfeldern aber mehr männliche Fachkräfte und Bezugspersonen in hohem Maße gesellschaftlich erwünscht, und aufgrund der demografischen Entwicklung herrscht dort deutlicher Bedarf an Nachwuchskräften. „Grund genug, um mit möglichst vielen auch in den nächsten Jahren an einem Strang zu ziehen und die Schüler auf diese Weise möglichst breitgefächert zu informieren“, meint Dagmar Drüke.