Sehrbrock-Ausstellung
Im Museum für Stadtgeschichte
Das Museum für Stadtgeschichte freut sich über eine große Anzahl von Gemälden und Zeichnungen des Paderborner Künstlers Richard Sehrbrock (1929-2002). Die Familie Sehrbrock hat sie der Stadtgeschichtlichen Sammlung im Adam und Eva-Haus als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. In dem umfangreichen Konvolut finden sich zahlreiche Portraits und Selbstportraits aus den Jahren 1943 bis 1995 von Richard Sehrbrock. Eine Auswahl davon zeigt das Stadtmuseum vom 3. August bis zum 15. Oktober. Richard Sehrbrock wuchs als zweites von fünf Kindern in Elsen auf. Bereits in jungen Jahren entdeckte er das Zeichnen für sich. In hunderten Skizzen und Studien hielt er seine Umwelt fest, malte und zeichnete insbesondere Menschen und Tiere. Ab 1941 besuchte er das Gymnasium Theodorianum am Kamp, wo die Welt der Sagen und antiken Götter seine bildnerische Fantasie inspirierte. Seine außergewöhnliche künstlerische Begabung entdeckte eine Ordensschwester des Michaelsklosters, die ihn fortan privat in der Zeichen- und Aquarelltechnik unterrichtete. Auch seine Heimatgemeinde Elsen wurde früh auf die ungewöhnliche Begabung des jungen Schülers aufmerksam. 1943, mit nur vierzehn Jahren, durfte Sehrbrock die große Wand im Nordschiff der Elsener Pfarrkirche ausmalen. Zum Kriegsende hin wurde er dann als Flakhelfer eingezogen, kehrte aber unversehrt zurück. Nach dem Zweiten Weltkrieg beschloss das so genannte „Einjährige“ seine Schullaufbahn am Theodorianum. Sehrbrock ging nach Düsseldorf und besuchte von 1950 bis 1955 die dortige Kunstakademie, studierte unter anderem bei Bruno Goller und Zoltán Székessy, Künstlervertreter der Rheinischen Sezession. Bis 1968 arbeitete Sehrbrock vor allem als Glas- und Kirchenmaler und hielt sich und seine Familie mit privaten Auftragsarbeiten über Wasser, bevor er dann in den Schuldienst eintrat. An der Realschule in Delbrück unterrichtete er bis 1990 als Kunsterzieher Malerei und Zeichenkunst. Seine freien künstlerischen Arbeiten bleiben insbesondere dem Realistischen treu. Sehrbrock verstand es, Alltägliches aber auch Unscheinbares mit technischer Perfektion zu ästhetisieren. Seine Vorliebe galt der Bleistiftzeichnung. Insbesondere die Portraits der Familie und die von anderen lassen seinen Drang zu fotorealistischer Perfektion - mit späteren Ausnahmen - deutlich werden. Als herausragende Arbeiten sind die Portraits „Mann mit Verdienstorden“ aus dem Jahr 1981 sowie das seiner Ehefrau „Gerda im geblümten Kleid“ von 1983 zu nennen. Diese Bilder, sowie zahlreiche weitere Bildnisse werden nun neben insgesamt acht frühen und späten Selbstportraits des Künstlers in der Ausstellung gezeigt. Seine öffentlichen Arbeiten finden sich unter anderem in der Paderborner Marktkirche, wo er 1948 Kreuzwegstationen aus Terrakotta gestaltete, sowie in der Herz-Jesu-Kirche, für die er 1953 Chorfenster entwarf. Außerdem sind Arbeiten von ihm in der Paderborner Heinrichskirche, wo er 1959 die Chorwand mit dem „Christus nach der Apokalypse“ ausmalte, sowie im Paderborner Dom, wo er 1988 und 1989 Bilder für einen Seitenaltar malte. In der Sammlung des Museums für Stadtgeschichte befinden sich seit langem zahlreiche Zeichnungen von Richard Sehrbrock, die den Einmarsch der Amerikaner im April 1945 in Paderborn sowie das Leben in der zerstörten Stadt realistisch und eindrucksvoll wiedergeben. Mit den nun erhaltenen Gemälden und den über 1000 Zeichnungen und Skizzen wird die ständig wachsende stadtgeschichtliche Sammlung hervorragend ergänzt. Die Ausstellung ist täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr zu sehen. Der Eintritt kostet 2,50 Euro, ermäßigt zwei Euro. Informationen sind unter der Rufnummer 05251/8823501 erhältlich.