Runter vom Gehweg

Sicherer Radeln in Paderborn

Mehr als jeder vierte durch Radfahrer selbst verursachte Verkehrsunfall hat sich in den letzten drei Jahren in Paderborn auf Gehwegen ereignet. Ob erlaubt oder verboten - Räder auf den Gehwegen stellen eine erhöhte Gefahr für alle Beteiligten dar. Das hat mittlerweile auch der Gesetzgeber erkannt und ist dabei die Straßenverkehrsordnung entsprechend zu ändern. In diese Richtung gehen auch die Überlegungen, die die Kreispolizeibehörde gemeinsam mit der Stadt Paderborn jetzt vorstellte. Die Problemkinder im Paderborner Radverkehr sind die Riemekestraße und die Neuhäuser Straße. Dort registriert die Paderborner Polizei die meisten Unfälle im Stadtgebiet, wobei die Neuhäuser Straße trauriger Spitzenreiter ist. „48 Verletzte in sechs Jahren auf einer Wegstrecke von lediglich 800 Metern“, nennt Lorenz Bunse, Leiter der Führungsstelle der Direktion Verkehr der Paderborner Polizei, die Zahlen. Eine Studie von 2009 der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) hat ergeben, dass von der Fahrbahn räumlich getrennte Radwege im Normalfall nicht sicherer sind als das gemeinsame Benutzen der Fahrbahn. "Auf Radwegen kommt es immer wieder zu Unfällen mit Fußgängern, mit von der Straße abbiegenden Autos und mit Autos, die aus Grundstückausfahrten auf die Straße fahren", erläutert Kirsten Schmidt, beim Straßen- und Brückenbauamt der Stadt Paderborn für die Radwegplanung zuständig. In der Riemekestraße und der Neuhäuser Straße sollen wegen der Risiken und der hohen Unfallzahlen einige Änderungen vorgenommen werden, damit Fahrradfahrer in Paderborn demnächst sicherer unterwegs sein können. In der Neuhäuser Straße wird die Gehweg-Beschilderung „Radfahrer frei“ zwischen Clemens-August-Straße und Neuhäuser Tor entfernt. Der Fahrradfahrer muss nun auf die Fahrbahn ausweichen und befindet sich somit im Blickfeld des Autofahrers, die Distanz zu Einfahrten ist größer und die Sichtbeziehung zueinander ist besser. Die Markierung eines Schutzstreifens ist hier jedoch aus Platzgründen nicht möglich. Für Radfahrer, die nicht auf der Neuhäuser Straße fahren wollen, hat das Straßen und Brückenbauamt Alternativwege vorgesehen. Die Alternativrouten von der Gieferstraße bzw. der Ferdinandstraße bis zum Ring werden von der Elsenerstraße bzw. Neuhäuser Straße beginnend ausgeschildert. Außerdem werden Flyer verteilt, die über die Alternativrouten informieren. Die Alternativwege sind in jedem Fall sicher und führen durch Tempo-30-Zonen. Zwischen Elsener Straße und Rathenaustraße soll auf der Neuhäuser Straße ein 1,5 Meter breiter Schutzstreifen für Radfahrer eingerichtet werden. Auch auf der Riemekestraße wird sich für die Radfahrer einiges ändern. Stadteinwärts können sie demnächst auf einem am Straßenrand aufgezeichneten Schutzstreifen vom Heinz- Nixdorf-Ring bis zur Rathenaustraße fahren. Ein Radpiktogramm macht deutlich, dass der Streifen extra für Radfahrer angelegt ist. Der Radfahrer kann zukünftig wählen, ob er bis zur Klöcknerstraße auf dem nicht benutzungspflichtigen Radweg oder auf dem Schutzstreifen fahren möchte. Kurz vor der Klöcknerstraße wird der Radfahrer in jedem Fall sicher auf die Fahrbahn geführt. Stadtauswärts existiert kein Schutzstreifen, der Radfahrer kann hier jedoch auch auf der Fahrbahn fahren oder den nicht benutzungspflichtigen Radweg wählen. "Die Benutzungspflicht der vorhandenen Radwege in der Riemekestraße wird aufgehoben", erläutert Kirsten Schmidt. Alle Maßnahmen sollen in den nächsten Wochen durchgeführt werden. Aber nicht nur Fahrradfahrer sollen auf die Änderungen aufmerksam gemacht werden. „ Auch Autofahrer müssen Rücksicht nehmen und mit der Veränderungen vertraut gemacht werden“, betont Ulrich Krawinkel, Pressesprecher der Paderborner Polizei.