Als sich die Schafe noch tummelten...

Heiersstraße und Ükernplatz

Wenn die Heiersstraße und der Ükernplatz jetzt wieder in neuem Glanze erstrahlen, dann ist das ein Grund mehr mal einen Blick zurück zu werfen. Dank der Unterstützung des Paderborner Stadtarchivs ist vieles über das alte Stadtviertel Ükern und die historische Heiersstraße bekannt. Ursprünglich tummelten sich wahrscheinlich eher Schafe auf der Heiersstraße. Heier ist ein alter Name für Hirt. Die Hirten trieben früher ihre Herden durch das Heiersstor zur Weidefläche im Norden und Osten der Stadt. Auf diesem Weg kamen die Schafe wahrscheinlich nicht am früheren Ükernviertel vorbei. Bis 1875 war der Ükern nämlich ein ärmliches Stadtviertel, welches meist aus Hütten in einem Labyrinth von schmalen und gewundenen Gassen bestand. Bereits in einer Urkunde von 1328 ist das "uppen Ukern" erwähnt. Auch der Stadtplan von 1834 benennt das Gelände zwischen Krämergasse, Heiersstraße, Heiersmauer und Am Haxthausenhof "Der Uekern". Das damalige Ükernviertel fand jedoch 1875 sein Ende. Die Katastrophe am 12. September 1875 hatte verheerende Auswirkungen für alle Bewohner. Das gesamte Stadtviertel wurde durch den Ükernbrand vollständig vernichtet. Nach einer langen Dürre hatte das Feuer reichlich Nahrung gefunden und breitete sich rasend schnell aus. Nachdem das Feuer vier Stunden gewütet hatte lagen fast 100 Gebäude und 20 Scheunen in Schutt und Asche. Die 233 Familien mit rund 900 Personen, die durch den Brand alles verloren hatten und obdachlos geworden sind, konnten Unterkunft in kirchlichen Gebäuden finden. Für die Stadt Paderborn hatte die Brandkatastrophe eine ganz andere Bedeutung. Der Ükernbrand war für Paderborn der Ausgangspunkt für eine planmäßige Erneuerung der Stadt. Während die Stadt Bielefeld sich wegen steigender Bevölkerungszahlen schon 1850 über die Mauern hinaus ausbreitete, gab es in Paderborn nicht einmal eine Vorstellung von einer planvollen Entwicklung der Stadt. Durch den Brand, der ein ganzes Stadtviertel einäscherte, war es nun notwendig geworden über eine Erneuerung und Weiterentwicklung der Stadt nachzudenken. Die Stadt platzte damals aus allen Nähten. Noch Anfang des 19. Jahrhunderts bestand der vor 1183 entstandene Mauerzug noch in seiner ursprünglichen Form, ebenso wie Stadtgräben, Wälle und Schanzen. Aus der Not heraus musste nun planvoll erneuert werden. Den Betroffenen des Ükernbrandes lag bereits 1876 ein Ausbauplan mit einem völlig neuen und klar gegliederten Straßensystem vor, der im Zuge der späteren Hathumarstraße einen Mauerdurchbruch auf den heutigen Maspernplatz vorsah. Im Zuge des Wiederaufbaus nach 1875 wurde der heutige Straßenverlauf Ükern benannt. Der durch die Baumaßnahmen im letzten Jahr entstandene Platz erinnert mit seinem Namen Ükernplatz an das alte Ükernviertel.