Wisente "grasen" im Naturkundemuseum
In Schloß Neuhaus
Im Themenbereich „Wald“ des Neuhäuser Naturkundemuseums im Marstall ist zur Zeit eine kleine Präsentation über das Waldinformationszentrum Hammerhof mit seinem Wisentgehege zu besichtigen. Anhand eines Modells und mit Hilfe von Informationstafeln wird dort vor allem der „Wisent-Turm“ vorgestellt, der seit dem 50jährigen Jubiläum des Wisentgeheges im Jahr 2008 eine besonders gute „Übersicht“ der Besucher auf das Gelände ermöglicht. Es handelt sich um ein imposantes Holzbauwerk von zwölf Meter Höhe. Auf die Aussichtsplattform in neun Metern Höhe führt eine, in Form einer Doppelhelix angeordnete, Holztreppe. Die Struktur der DNA (Träger des Erbguts jedes Lebewesens) hat hier sichtbar Pate gestanden. Von einer Grundfläche von 4 x 4 Metern weitet sich der Turm nach oben auf 5 x 5 Meter und findet seine Festigkeit in seiner eigenen Konstruktionsweise. Die Planung ist vom weltbekannten Holzbauer, Prof. Julius Natterer, vorgenommen worden, der auch der Konstrukteur des Expo-Daches in Hannover ist. Vom Wisent-Turm hat man einen wunderbaren Blick in das schöne Hammer- und Schwarzbachtal mit seinen Gehegeeinrichtungen. Damit diese Einrichtung über die Region hinaus bekannter wird, ist das Modell vom Turm entstanden, das für das Waldinformationszentrum Hammerhof und für das Wisentgehege werben soll und bis etwa Ende März im Naturkundemuseum zu sehen ist. Am Bildschirm im Museum ist als Ergänzung ein kurzer Film zu sehen, der sich vor allem mit Wisenten und Luchsen befasst. Auch Informationsschriften zum Waldinformationszentrum liegen für die Besucher bereit. Mit dem Waldinformationszentrum Hammerhof wurde 2004 von der Landesforstverwaltung Nordrhein-Westfalen unter Leitung des Regionalforstamtes Hochstift eine Umweltbildungseinrichtung geschaffen, die in anschaulicher Weise über Themen Wald, Natur, Holz und Umwelt informiert und zu einem verantwortungsbewussten Umgang aufruft. Dazu werden Führungen, Vorträge und Ausstellungen angeboten. Der Name „Hammerhof“ geht zurück auf einen von 1611 bis 1803 betriebenen, zum Zisterzienser-Kloster Hardehausen gehörenden Schmiedehammer, mit dem Eisenerz aus dem Waldeckschen bearbeitet wurde. Das Waldinformationszentrum umfasst einen Ausstellungsbereich, Seminarräume und ein einladendes Café, das täglich - außer montags - und auf Anfrage von 14 bis 18 Uhr geöffnet ist, sonntags bereits ab 11 Uhr. Einst gehörten sie zum vertrauten Bild der Wälder Germaniens, die Wisente, Relikte glazialer Epochen und heute das größte und schwerste Landsäugetier Europas. Der letzte frei lebende Wisent wurde in Deutschland im Jahre 1755 geschossen. Fortan lebten die Herden nur noch in den Wäldern Osteuropas, bis sie auch hier ihr Schicksal ereilte. 1927 war der freilebende Wisent ausgestorben und es lebten in zoologischen Gärten weltweit nur noch 54, zur Weiterzucht geeignete Wisente. 12 dieser Tiere bildeten den Grundstock für alle heute auf der Welt lebenden Wisente. 1958 wurde von der Landesforstverwaltung NRW ein 60 Hektar großes Wisentgehege zwischen Scherfede und Hardehausen eingerichtet und damit die Wisentnachzucht aus NRW maßgeblich mit unterstützt. Hier wird seitdem der Bergwisent (Bison bonasus caucasicus) und seit 2004 der Flachlandwisent (Bison bonasus bonasus) erfolgreich und getrennt nachgezüchtet. Beide sind Subspezies derselben Art. Der Bergwisent ist etwas kleiner und leichter als seine zoologische Verwandtschaft aus dem Flachland. Auch die mähnenähnliche Kopfbehaarung ist weniger lang und dicht. In Hardehausen bewohnen die Flachlandwisente ein 80 Hektar großes, die Bergwisente ein 60 Hektar großes Gehege mit urwaldähnlichen Mischwäldern und entsprechenden Freiflächen. Diese gleichzeitige Haltung und Nachzucht beider Wisentlinien in separaten Gehegen ist in Europa einmalig. Neben den Wisenten gibt es in Hardehausen weitere Gehege mit Wildschweinen, Tarpanen und weißem Rotwild. Beim Rotwild handelt es sich nicht um Albinos, sondern um eine aus Nordindien stammende Art. Die Tiere wurden im 18. Jahrhundert unter anderem auch nach Böhmen gebracht. Auch das erwies sich als ein ausgesprochener Glücksfall, denn kurze Zeit danach ist der gesamte indische Bestand durch eine Virusinfektion ausgestorben. (Weitere Informationen im Internet unter: www.wald-und-holz.nrw.de)