Bilderschatz im Stadtarchiv

Käthe Köppelmann übergibt Fotoerbe

Ein Bilderschatz fand jetzt im Stadtarchiv Paderborn ein sicheres Zuhause: Käthe Köppelmann, die Witwe des Paderborner Atelier-Fotografen Hanns Köppelmann, übergab den Fotonachlass der Familie ans Stadtarchiv Paderborn. Als der Kupferarbeiter und Daguerreotypist Wilhelm Köppelmann aus Soest am 24. Juni 1851 in Paderborn ein Einbürgerungsgesuch stellte, ahnte er sicher nicht, dass er den Grundstein für die älteste Paderborner Fotografen-Dynastie legen würde. Ab 1852 bot Wilhelm nachweislich in Paderborn die Anfertigung so genannter Daguerreotypien, einer frühen Form von Fotografien, an. Doch erst nach einer technischen Revolution in der Fotografie wurde sie zu einem Massenmedium und Wilhelm 1867 in die Lage versetzt, ein neues Atelier an der heutigen Leostraße 41 zu errichten, das lange Jahre in Paderborn als das Köppelmannsche Atelier bekannt war. Dieses führte Wilhelms Sohn Wilhelm jun. weiter, doch war nicht er es, der das Köppelmannsche Erbe in Paderborn am längsten bewahrte, sondern der ältere Sohn Alex. Er war um 1892 von der Wanderschaft als Fotograf nach Paderborn zurückgekehrt, erwarb das im Jahr 1880 errichtete Haus Westernstr. 45 und richtete hier sein Atelier in Konkurrenz zu seinem Bruder ein. Während das „Wilhelminische“ Atelier an der Leostraße 1938 unter Wilhelm juniors Sohn Wilhelm Ferdinand seine Türen schloss, führten Alex‘ Erben das Atelier am Westerntor bis in die 1990er Jahre fort: 1909 übernahm Alex‘ Sohn Hermann das Atelier, später dessen Sohn Hanns, dessen Witwe nun dafür sorgt, dass das Köppelmannsche Erbe für Paderborn nicht verloren geht. Tausende Fotografien, Dias, Glasplatten- und Filmnegative, meist gesammelt in beschrifteten Fotokartons, harren nun der konservatorischen Aufbereitung und der Erschließung. Zum Glück sind auch einige Bestellbücher überliefert, in denen zumindest für die Porträtaufnahmen Namen und Aufnahmedatum notiert sind. Nach einer ersten Durchsicht scheinen kaum Fotografien aus der Zeit vor 1945 in dem Bestand zu sein. Dies verwundert wenig, wurde doch auch das Köppelmannsche Haus wie so viele in Paderborn im Krieg zerstört und mit ihm die zahllosen Glasplatten-Negative. Das Gros des Bestandes bildet neben Porträtaufnahmen (darunter etlicher prominenter Paderborner), dem Haupterwerbszweig aller Fotografen, die für Paderborn so historisch bedeutende Zeit des (Wieder-) Aufbaus und der städtebaulichen Entwicklung ab den späten 1950er Jahren bis in die 1980er Jahre. Doch auch gesellschaftliche Ereignisse in Paderborn sind gelegentlich festgehalten, hier reicht die Spannbreite von Kinderkarneval über Schützenfeste (auch im Kreisgebiet) bis zum Besuch der Queen am 7.7.1977. Neben den Fotokartons enthält der „Bestand Köppelmann“ einige Fotoalben, darunter eins aus der Zeit des Ersten Weltkrieges, das sicher von Hermann Köppelmann stammt und etliche Kriegs- und Luftaufnahmen anderer Städte im Osten Deutschlands enthält, sowie engbeschriebene Tagebücher von Hanns Köppelmann aus dem Zweiten Weltkrieg. Ende März 1993 wurde das Atelier geschlossen. Im Haus am Westerntor betreibt aber noch immer Marc Köppelmann, der Sohn von Hanns und Käthe, eine Bildagentur mit dem Schwerpunkt Sportfotografie.