Wird Paderquellgebiet Weltkulturerbe?
Stadt Paderborn bewirbt sich mit der einzigartigen Wasserlandschaft
"Urban Waterscape Paderborn" (urbane Wasserlandschaft Paderborn) so lautet der offizielle Titel der Bewerbung. Dahinter steckt die Idee der Stadt Paderborn, das Paderquellgebiet durch die UNESCO als Weltkulturerbe anerkennen zu lassen. Der erste Schritt in diese Richtung ist mit der von Bürgermeister Heinz Paus unterzeichneten Kurz-Bewerbung geschehen. "Vergleichbares ist in den bisher klassifizierten Welterbe-Stätten nicht vertreten - zumindest nicht in Europa", sieht Heinz Paus realistische Chancen für dieses Vorhaben. In den letzten Wochen hatte sich abgezeichnet, dass es für die Paderborner Bewerbung gute Aussichten gibt, zumal der Fokus weniger auf Baudenkmale und mehr auf Naturphänomene gerichtet wird. Gemeinsam mit der Technischen Beigeordneten Claudia Warnecke und nach Abstimmung mit den Spitzen der im Paderborner Rat vertretenen Fraktionen hatte der Bürgermeister den Anstoß zur Bewerbung gegeben. Mit Unterstützung von Prof. Gerhard Auer, Braunschweig (Kurator: „7 Türme – 7 Lichter“ + Beleuchtungskonzeption für das westliche Paderquellgebiet), Thomas Günther von der Unteren Denkmalbehörde beim Stadtplanungsamt, Dr. Bettina Heine Hippler vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Dr. Sven Spiong, Stadtarchäologe und Prof. Dr. Eva-Maria Seng, Uni Paderborn (Lehrstuhl für Materielles und Immaterielles Kulturerbe UNESCO) wurde die Bewerbung erarbeitet. Jetzt liegt sie beim Ministerium für Wirtschaft, Energie, Bauen, Wohnen und Verkehr des Landes NRW in Düsseldorf. Dort wird entschieden, welche beiden Bewerbungen aus NRW nach Berlin weitergereicht werden. "Bis heute unbebaut, stellen die Wasser-Brachen als öffentliche Grünzonen im Kontext mit angrenzenden Baudenkmälern (Bartholomäus-Kapelle), Dom, Kaiserpfalzen und andere mehr) die frequentierten Attraktionen der City dar", heißt es in der Bewerbung der Stadt. Das westliche Quellgebiet, das in den 50ziger Jahren des letzten Jahrhunderts vom Gütersloher Gartenarchitekten Rudolf Reuter zum Stadtpark gestaltet wurde, sei bereits als Gartendenkmal klassifiziert. Dabei habe die Stadt die verheerenden Zerstörungen des letzten Weltkrieges als Chance begriffen, wird in dem dreiseitigen Bewerbungsschreiben ausgeführt. Ausführlich geht die Bewerbung auf die Geschichte der Paderquellen ein und würdigt deren Bedeutung für die Entwicklung der Stadt. "Früh haben seine Erbauer entdeckt, dass nicht nur horizontale Wasserkontrolle des Quellenüberflusses zweckdienlich war (für Waschplätze, Tiertränken oder Mühlenbetriebe), sondern auch vertikale Kräfte freigesetzt werden konnten durch kluge Nutzung der artesischen Druckverhältnisse, die praktisch an jeder Stelle den Zugang zu reinstem Tiefenwasser in selbsttägigen Brunnen ermöglichten", steht in der Bewerbung und dort schlussfolgert man: "Die wachsende Stadt saß buchstäblich auf einem Wasserkraftwerk von einmaliger Tiefe und Ausdehnung - daran hat sich bis heute nichts geändert."