Historisches Puppenhaus

Museum für Stadtgeschichte

Es weihnachtet sehr im Museum für Stadtgeschichte Paderborn. Durch Vermittlung von Friedrich Gerhard Hohmann erhielt das Museum nun als Dauerleihgabe ein historisches Puppenhaus aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Es stammt aus der Familie von Otto Plassmann (1861-1932), der von 1895 bis 1919 Oberbürgermeister der Stadt Paderborn war. Dessen Tochter Margaret, geb. 1898, bekam dieses Spielhaus vermutlich von einer Lehrerin der Volksschule, bevor sie auf das Michaelskloster ging. Später studierte sie in Köln Sozialwissenschaften, promovierte zum Dr. rer. pol. und heiratete den Eisenbahn-Ingenieur Dipl.-Ing. Werner Adams aus Essen. Das ganz aus Holz bestehende Puppenhaus, das ab Donnerstag, 1. Dezember, im Museum zu sehen ist, hat die Maße 160 x 90 x 40 cm und besitzt drei Etagen mit je zwei Räumen. Das Dachgeschoß ist als Klassenzimmer eingerichtet. Die Paderborner Firma "ars colendi" wurde mit der Erhaltung des gegenwärtigen Zustandes und der Schaffung eines ausstellungsfähigen Erscheinungsbildes beauftragt. Die Änderungen durch die Kinder und Enkel der Oberbürgermeister-Tochter wurden nicht rückgängig gemacht. Es wurden die Oberflächen gereinigt, Einzeltele ergänzt und retuschierte Farb-Fehlstellen angeglichen. Die Geschichte der Puppenstuben überhaupt geht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Das älteste bekannte Puppenhaus wurde als ein kleines Schaustück 1558 für Herzog Albrecht V. von Bayern gebaut. Im 17. und 18. Jahrhundert griffen reiche Patrizierfamilien in Nürnberg und Augsburg diese Idee auf und ließen sich ihre Häuser im Kleinformat nachbauen, um ihren Reichtum zu zeigen. Zu dieser Zeit galten sie als Präsentationsobjekte der Erwachsenen und Anschauungsobjekte für Kinder. Erst im Biedermeier entstanden die ersten Puppenstuben für Mädchen, um sie spielerisch auf ihre spätere Aufgabe als Hausfrau vorzubereiten. Vorbild waren die Wohnungen gehobener Bürgerfamilien, die möglichst naturgetreu nachgebildet wurden. Im ersten Drittel des 19. Jahrhundert gab es auch einzelne Räume als Puppenstube, vor allem als Salons und Puppenküchen die mit allen nötigen Küchengeräten ausgestattet waren. Zu dieser Zeit kam der Kaufladen auf, mit dem Geschwister zusammen spielen konnten. Es war allerdings üblich, die Puppenstube zur Bescherung an Heiligabend aufzubauen und sie nach Weihnachten zum Dreikönigstag wieder einzupacken und auf dem Dachboden zu verstauen, so dass lediglich kurze Zeit damit gespielt werden konnte. Das Museum hat täglich, außer montags, von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 2,50 Euro, ermäßigt zwei Euro. Kinder bis zwölf Jahre zahlen nichts.