Mehr Normalität für Behinderte

Alten- und Behindertenhilfe Thema im Paderborner Rathaus – Ehrenamtliche gesucht

"Alter, Pflege und Behinderung" war das Thema im Paderborner Rathaus. Die Qualitätsinitiative für Ältere, ein Verbundprojekt von fünf nordrheinwestfälischen Städten, hatte gemeinsam mit dem Seniorenbüro der Stadt Paderborn, dem Paritätischen und zahlreichen Kooperationspartner interessierte Bürgerinnen und Bürger sowie Einrichtungen, Vereine und Organisationen dazu eingeladen. Michael Kramps vom Seniorenbüro der Stadt Paderborn eröffnete das Forum. Es sei das Ziel, dass eine gleichberechtigte Teilhabe für Behinderte an der Gesellschaft in jedem Alter möglich sein soll, führte er aus und bezog sich damit auf die UN-Behindertenrechtskonvention. Ursula Woltering und Maria Nortmann von der Geschäftsstelle des Projektes "Qualitätsziele in der offenen Seniorenarbeit" in Ahlen stellten kurz die landesweite Projektinitiative der Stiftung Wohlfahrtspflege und die zwölf Qualitätsziele vor. Eines der Ziele sei die Orientierung am einzelnen Menschen, das heißt auch an neuen Zielgruppen in der Seniorenarbeit und Pflege wie älteren Behinderten und Migranten. Es gehe darum, sowohl die gemeinwesenorientierte Seniorenarbeit vor Ort als auch Alten- und Gesundheitseinrichtungen für die Zielgruppe der älteren Behinderten zu öffnen, so Ursula Woltering. Sabine Maybaum, Dozentin vom Fachseminar für Altenpflege im Meinwerk-Institut, hat die Zeichen der Zeit früh erkannt und das Thema „Behinderung und Pflege“ in die Ausbildung integriert. Gemeinsam mit einer ganzen Pflegeklasse brachte sie sich in die Diskussion ein und plädierte dafür, eine bessere Vernetzung von Alten- und Behindertenhilfe zu schaffen. Während Ulrike Kamphues-Janson vom St. Johannisstift und Johanna Gossmann von der Stiftung Westphalenhof bisher kaum steigenden Zahlen von Älteren mit Behinderung sehen, bekommt der Pflegstützpunkt Paderborn mittlerweile häufiger Anfragen von Angehörigen älterer Behinderter, wie Fallberaterin Christa Kröger berichtete. Leider gebe es bisher kaum passende Lösungen für ältere Behinderter, so Josef Pieper von der Lebenshilfe. Der Bund müsse sich der Fragestellung der Versorgung auch finanziell stellen. Auch Bettina Sondergeld, Sozialarbeiterin in der LWL-Klinik Paderborn, meinte das sogenannte „persönliche Budget“, auf das Behinderte seit 2008 einen Rechtsanspruch haben, könne keine alleinige Antwort sein. Ruth Boßler vom Wohnheim für Behinderte in Kirchborchen hat sich in ihrer Einrichtung bereits auf die veränderte Tagesstruktur von Behinderten, die aus den Werkstätten in den Ruhestand kommen, eingestellt. Es gelte, den Behinderten Freizeitangebote zu machen, um ihnen einen Verbleib in ihrer gewohnten Umgebung bzw. Einrichtung zu ermöglichen. Hier ist sicherlich auch ein Umdenken klassischer Alteneinrichtungen gefragt, die bisher vor allem den pflegerischen Bedarf abdecken können, während Behinderteneinrichtungen auch pädagogische Konzepte anbieten – Kooperationen nicht ausgeschlossen. In der Abschlussrunde wünschten sich alle Teilnehmer mehr Normalität für Behinderte in der Gesellschaft und „weniger Worte, dafür mehr Taten“. Die Qualitätsinitiative ein Praxisprojekt zur Freizeit und Alltagsgestaltung älterer Behinderter aufbauen und damit einen Grundstein zu mehr Einbeziehung legen. Dafür werden noch engagierte Ehrenamtliche gesucht. Wer mitmachen möchte, kann sich bei Michael Kramps vom Seniorenbüro der Stadt Paderborn unter der Rufnummer 05251/88-1823 melden. Das nächste Treffen der Qualitätsinitiative findet am Montag, 21. November, um 14 Uhr im Westphalenhof, Giersstraße 1, statt.