Lichtgewänder einer Kathedrale

Ausstellung ab dem 11. September im Marstall-Museum

Das Historische Museum im Marstall, Geschäftsstelle des Westfälischen Glasforums, zeigt vom 11. September bis 8.Januar des kommenden Jahres eine Ausstellung zur Fensterverglasung des Paderborner Domes und zur Geschichte der Glasmalerei, der Glastechnik und der Glasrestaurierung. Das interdisziplinäre Projekt widmet sich der Erforschung der Fensterverglasung des Paderborner Domes durch die Jahrhunderte. Die künstlerisch gestalteten Fenster des Paderborner Domes, die im Zuge der letzten umfassenden Domsanierung der Jahre 1978 bis 1990 endgültig an die Stelle der Notverglasung der Wiederaufbauphase von 1947 bis 1954 traten, werden ebenso behandelt wie längst vergangene und archäologisch nachgewiesene Farbverglasungen von der Karolingerzeit bis zu den Kriegszerstörungen. Neben mehreren Ausgrabungsfunden aus den verschiedensten europäischen Zusammenhängen (u.a. Saint-Denis in Frankreich und dem UNESCO Welterbe Kloster St. Johann in Müstair, Schweiz), welche die einzigen Belege für die früh- und hochmittelalterliche Fensterverglasung darstellen, werden weitere Funde und Fensterausschnitte präsentiert. Außerdem geben weitere Leihgaben Einblicke in die Glasmalerei der Renaissance, des Barock und des Historismus, wie sie für Verglasung und Lichtgestaltung des Paderborner Domes vorstellbar sind. Zusätzlich zur Ausstellung finden Workshops, Führungen, Vorträge, Kinderprogramm und Vorführungen statt, die in der Tagespresse bekannt gegeben werden. Die Initiative wird getragen durch die Stadt Paderborn mit dem Historischen Museum in Marstall und durch die Glasmalerei Peters , einer renommierten und international bekannten Werkstatt für Glasgestaltung und Glasrestaurierung, die seit 100 Jahren mit der Farbverglasung des Paderborner Domes verbunden ist. Die Aktivität wird besonders unterstützt von Wissenschaftlern des Westfälischen Glasforums, einem Zusammenschluss von Archivaren, Archäologen, Kunsthistorikern, Naturwissenschaftlern, Glasspezialisten und Glasmalern, die sich seit 10 Jahren mit der Glasforschung in Westfalen und Lippe beschäftigen, wodurch ein innovatives kulturelles Netzwerk entstand, das inzwischen weit über die Landesgrenzen geht und bis Nordamerika reicht. Darüber hinaus unterstützen die Erzdiözese Paderborn und der Landschaftsverband Westfalen-Lippe das Projekt, insbesondere durch die Bereitstellung von Fachpersonal zur Durchführung des seit 2007 laufenden interdisziplinären Domforschungsprojektes. Die Ergebnisse werden demnächst veröffentlicht von Dr. Norbert Börste in einem Sammelband der Schriftenreihe „Studien und Quellen zur westfälischen Geschichte“ des Vereins für Geschichte und Altertumskinde Westfalens, Abt. Paderborn. Erstmals werden auch völlig neue Untersuchungsmethoden zur Bestimmung von archäologischen Glasfunden aus dem Paderborner Dom mit dem Canadian Light Source Inc. der Universität Saskatoon in Kanada, angewendet, womit der Paderborner Dom in den Focus der internationalen High Tech- Glasforschung geraten ist, die auch für weitere Forschungen an anderen Kathedralen von großer Bedeutung sein werden. Die heutigen Fenster der Kathedrale haben eine moderne Verglasung, die beim Wiederaufbau und der Restaurierung nach den Kriegszerstörungen angebracht wurde. Für die Zeit vor 1945 existiert allerdings noch schriftliches und fotografisches Material, das gerade zu einer umfassenden Dokumentation zusammengestellt und abgeschlossen worden ist.