Pioniere der Bildcollage
Städtische Galerie Am Abdinghof
Die Städtische Galerie Am Abdinghof zeigt ab Freitag, 9. September, bis zum 2. November ausgewählte Werke aus der Städtischen Kunstsammlung. Zu sehen sind Collagen, Zeichnungen, Druckgrafiken und Gemälde des Künstlerpaares Robert Michel (1897-1983) und Ella Bergmann-Michel (1895-1971). Beide Künstler zählen zu den herausragenden Vertretern der bildnerischen Moderne und gelten in der Fachwelt als "Pioniere der Bildcollage". Annähernd 100 Werke von Ella Bergmann-Michel und Robert Michel gehören zum zentralen Bestand der Sammlung. Dieser konnte in den vergangenen Jahren durch wichtige Neuerwerbungen systematisch erweitert werden. Robert Michel wurde 1897 als Sohn eines Lackfarbenfabrikanten in Vockenhausen bei Eppstein im Taunus geboren. Schon früh begeisterte er sich für Erfindungen der neuen Technik, vor allem für Motoren und Maschinen. Michel war einer der ersten deutschen Künstler, der technische Phänomene nicht nur abbildete, sondern Bewegungen, Räume und maschinelle Dispositionen als neues, ureigenes Thema formulierte. Seine größten Erfolge konnte er in den Jahren nach dem 1. Weltkrieg und in den zwanziger Jahren verzeichnen. Die geistige Auseinandersetzung mit der technischen Welt in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts legte sich bei ihm in einer neuen Sicht auf das Problem Maschine-Mensch nieder. Michels Medium war die Collage, in der die Faszination für die moderne Welt von damals mit Maschinen und Motoren, Zahnrädern und konstruktiven Zeichnungen deutlich wird. Als Tochter des Drogisten Wilhelm Bergmann 1895 in Paderborn geboren, entschied sich Ella Bergmann 1915 für ein Kunststudium in Weimar. In der Zeichenklasse der “Hochschule für bildende Kunst” lernte sie ihren späteren Ehemann Robert Michel kennen. Nach einer Rebellion gegen verstaubte Lehrmethoden arbeiteten beide Künstler ab 1918/19 freischaffend in eigenen Ateliers. In ihren Gemälden und Collagen erkundete Ella Bergmann-Michel Themen wie Bewegung, Wachstum und Metamorphose, Prozesse, die sich innerhalb des Lebens abspielen. Hierzu entwickelte sie eine abstrakte, von naturwissenschaftlichen Darstellungsmethoden inspirierte Bildsprache, die sie in ihre Kunst integrierte. An Anna Blume: Zeichenzyklus erstmalig gesamt zu sehen Der Maler, Bildhauer, Graphiker, Typograph und Dichter Kurt Schwitters (1887-198) war ein Freund und gern gesehener Gast im Hause der Michels. 1919 erschien in der Zeitschrift „Der Sturm“ der Erstdruck seines bekannten Gedichtes „An Anna Blume“, mit dem er einst die konservativen Bürger seiner Heimatstadt Hannover erschreckte. 1965 hat ihm Ella Bergmann-Michel in filigranen Zeichnungen eine poetische Hommage gewidmet. Als thematische Grundlage diente das Gedicht „An Anna Blume“. Die Galerie Am Abdinghof zeigt erstmalig den gesamten Zyklus. Ebenso werden die Neuerwerbungen der letzten Jahre, Zeichnungen und Collagen von Robert Michel, in der Ausstellung zu sehen sein. Solo für Ella Bergmann und Robert Michel Am Freitag, 21. Oktober, um 19 Uhr, ist der bekannte Schlagzeuger Barny Bürger in der beliebten Reihe „Solo für…“ zu Gast in der Städtischen Galerie Am Abdinghof und wird sich von den zahlreichen Werken der Michels inspirieren lassen. Das Konzert wird in Kooperation mit dem Paderborner Stadtmagazin „das HEFT“ veranstaltet.