Englands berühmtester Maler
Städtische Galerie in der Reithalle zeigt Werke von William Turner
Als Joseph Mallord William Turner im Dezember 1851 starb, war er Englands berühmtester Maler. Dem außergewöhnlichen Künstler, der wie kein zweiter seiner Zeit reisefreudig war, widmet die Städtische Galerie in der Reithalle in Paderborn-Schloß Neuhaus eine Ausstellung. Zu den "Reisen mit William Turner" lädt die Galerie vom 28. April bis 15. Juli ein. Gezeigt werden das zwischen 1807 und 1819 erschienene Liber Studiorum, ein Mappenwerk mit 71 Mezzotintoradierungen von ungemein malerischer Wirkung, sowie eine Reihe thematisch verwandter Aquarelle aus überwiegend britischem Museumsbesitz. Die Ausstellung ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Turners künstlerischer Weg begann früh, begleitet von einer außerordentlichen akademischen Karriere: Bereits als 13-Jähriger lernt er bei einem Architekturzeichner. Wenig später ist er Student der Royal Academie of Arts, wird mit nur 24 Jahren ihr jüngstes Mitglied und 1907 schließlich zum Professor für Perspektive berufen. Mit der klassischen Perspektivlehre eines Leonardo da Vinci bricht Turner indes radikal. Sein Interesse gilt dem Licht, der Luft, dem Wetter, den atmosphärischen und zugleich affektiven Erscheinungen einer Landschaft, einer Naturszenerie. Er malt, wie John Ruskin schreibt, „nie den Ort selbst, sondern dessen Eindruck auf ihn und das Ganze als dauerhaftes Prinzip“. Markant war seine Reisefreude. 38 Mal überquerte er den Ärmelkanal, begab sich zu Fuß, per Kutsche oder Schiff nach Holland, Belgien, Frankreich, Deutschland, in die Schweiz und nach Italien. Das Gesehene hielt er vor Ort in Skizzen fest, die Umsetzung in Öl oder Aquarell erfolgte im Atelier. Ein außergewöhnliches Dokument dieser Reiselust ist das zwischen 1807 und 1819 erschienene Liber Studiorum, das im Zentrum der Ausstellung steht. Unterschiedlichste Topographien und Landschaftscharaktere sind hier vereint: von der schottischen Küste bis zum Sankt-Gotthard-Pass, vom überwältigenden Naturschauspiel bis zur pastoralen Idylle. Turner sieht alles mit neuem Blick, macht es zum Stoff einer höchst subjektiven Bilddramaturgie, die den Betrachter unwillkürlich in Bann zieht. Das Liber-Studiorum gilt heute „als ein zentrales Werk in Turners Œuvre und als wegweisende Stellungnahme zur zentralen Bedeutung der Landschaft im kulturellen Bewusstsein Europas“ (Gillian Forrester).