Paderborn zeigt Miró
Seit 28. Juli in der Städtischen Galerie in der Reithalle
Joan Miró, geboren 1893 in Barcelona, zählt zu den großen Künstlern des 20. Jahrhunderts. Sein Werk, das sich einer außerordentlichen Popularität erfreut, wurzelt in den dada-surrealistischen Bewegungen der 1920er Jahre. Die Städtische Galerie in der Reithalle Schloß Neuhaus stellt noch bis zum 30. September seine graphischen Werke, Mischtechniken und bibliophilen Bücher aus fünf Jahrzehnten aus. Die Werkschau entstand in enger Kooperation mit der Galerie Boisserée in Köln. Alle gezeigten Werke wurden von der Galerie gesammelt und werden hiermit in ihrer Geschlossenheit einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht. 136 sind es – Lithographien, Radierungen, Mischtechniken sowie eine Auswahl illustrierter Bücher – die sich zu einem beeindruckenden Bild der graphischen Kunst Mirós aus mehr als einem halben Jahrhundert intensiver Schaffenszeit zusammenfügen. Seine Virtuosität in der Handhabung der graphischen und drucktechnischen Mittel lässt sich indes nur am Original ablesen – die Reproduktion gibt davon allenfalls eine Ahnung. Der Schweizer Photograph Ernst Scheidegger beobachtete Miró in den 1950er Jahren bei der Arbeit; einige seiner Photographien sind ebenfalls in der Ausstellung zu sehen. Über seine künstlerischen Entstehungsprozesse erklärte Miró einmal: „Ich will ohne eine vorgefasste Idee arbeiten. Ich will sie nicht zuerst ausdenken und dann zu ihr kommen mit der im Voraus ausgedachten Geschichte. Für mich sind die wesentlichen Dinge die künstlerischen und poetischen Ereignisse, die Assoziationen von Form und Idee: eine Form gibt mir eine Idee, diese Idee evoziert eine andere Form, und alles kulminiert in Figuren, Tieren und Dingen, die ich in keiner Weise vorausgesehen haben.“ Die Bildwelten Mirós sind nicht nur von Heiterkeit und Fröhlichkeit erfüllt, sondern auch von magisch-unheimlichen Elementen durchdrungen. Den Künstler vordergründig auf humorvoll-harmonische, spielerische Leichtigkeit und ästhetische Dekorativität zu reduzieren, hieße, ihn zu verharmlosen. „Ich bin von Natur eher schweigsam, neige zur Tragik. Das Leben kommt mir so absurd vor. Nicht, dass ich hätte lange überlegen müssen, um zu dieser Ansicht zu kommen, nein, ich empfinde das Leben als absurd, ich bin Pessimist,“ so der Künstler in einem Kommentar aus dem Jahr 1959.