Kommt 'n Pfau ins Fundbüro...

Halbjahresbilanz des Paderborner Fundbüros weist so manche Kuriosität auf

Die Legende besagt, ein Pfau sei der Paderborner Gesandtschaft während der Überführung der Gebeine des Heiligen Liborius vorangeflogen. Nachdem die Reliquien dann in die Kirche gebracht worden war, fiel der Pfau tot zu Boden. Nach dem diesjährigen Libori-Fest könnte man mit einem Blick ins städtische Fundbüro denken, der Pfau sei nicht gestorben, sondern viel eher zu Stein erstarrt. Dort steht nämlich seit kurzem ein aus Ton gebranntes Exemplar und wartet geduldig auf seinen Besitzer – doch die Chancen einer Heimkehr stehen eher schlecht für ihn. "Das Libori-Fest fördert jedes Jahr aufs Neue so manche skurrile Fundsache zutage", resümiert Heribert Zelder, Leiter des Einwohneramtes und Verantwortlicher für das städtische Fundbüro. Neben verschiedenen Musikinstrumenten und einem vollständigen Spielautomaten ist der Pfau nur eine von diversen Sonderbarkeiten. In der Mehrzahl beschränken sich die Fundsachen jedoch auf jene so klassischen Dinge wie verlorene Handys, Geldbörsen und Regenschirme. Dabei leistet ein Volksfest wie Libori der Halbjahresstatikstik natürlich großen Vorschub. Von den 44 in diesem Jahr abgegebenen Schirmen stammen allein 20 aus der Libori-Woche. Auch 20 Schlüsselbunde von Festgästen warten noch im Fundbüro auf Abholung. Das Fundbüro der Stadt Paderborn ist dazu verpflichtet, Fundsachen aufzunehmen, zu katalogisieren und – soweit es der entsprechende Gegenstand zulässt – dem rechtmäßigen Eigentümer zukommen zu lassen. Letzteres erweist sich bei Geldbörsen mit Ausweispapieren oder Handys freilich leichter als bei Jacken oder gar Bargeld. "Das alles ist ein gigantischer Aufwand", weiß Edith Heggemann, Registerführerin im Fundbüro, zu berichten. Zusammen mit ihren Kollegen bearbeitet und verwaltet sie alle aufkommenden Verlustmeldungen und Fundabgaben. Etwa ein Viertel der aufgefundenen Gegenstände können an ihren Eigentümer zurückgegeben werden. Die unbeanspruchten restlichen 75 Prozent der Dinge lagern an verschiedenen Standorten. "Die 207 herrenlosen Fahrräder aus diesem Halbjahr könnten wir kaum hier im Fundbüro unterbringen", scherzt Edith Heggemann. Für den "zugeflogenen" Pfau hingegen ließ sich ein gemütliches Plätzchen im Lagerraum des Bürgeramts finden. Dass ihn dort bald jemand abholen kommt, glaubt Edith Heggemann unter Berücksichtigung ihrer langjährigen Diensterfahrung jedoch nicht. Das Fundbüro bewahrt alle besitzerlosen Gegenstände, auch die Fahrräder, für ein halbes Jahr auf. Anschließend werden sie entweder karitativen Einrichtungen gespendet, oder dem Finder zugesprochen, soweit dieser Eigentumserwerb beantragt hat. Teure Gegenstände wie Schmuck werden in einer im Fundbüro befindlichen Vitrine ausgestellt und verkauft. "Die Arbeit im Fundbüro ist eine Tätigkeit, die auch nach aller Zeit immer wieder Überraschungen bereit hält", berichtet Heribert Zelder. Einmal habe ein Bürger im Wald mehrere Pakete Kleidung gefunden und dem Fundbüro übergeben. Die Besitzerin meldete sich im Fundbüro und gab an, die Kleidung bewusst im Wald versteckt zu haben. "Bei der Übergabe beschwerte sie sich dann über den schmutzigen Zustand ihrer Textilien", erzählt er halb perplex, halb erheitert. Dann wendet er sich wieder seinen alltäglichen Aufgaben zu; unter anderem der Suche nach einem Zuhause für den zugeflogenen Pfau.