Museumsnacht legt noch einen drauf
Galerie am Abdinghof, Skulpturengarten und HNF erweitern ihr Angebot
Wenn die Nachtschwärmer am 25. August durch die Museen und Galerien Paderborns schlendern, können sie sich auf bisher unangekündigte Programmpunkte freuen. So wird die Illumination des Skulpturengartens in Sennelager ausgeweitet. Frank Tölle von der Firma event:ware hat den von Wilfried Hagebölling erschaffenen Garten bereits bestaunen dürfen und sich spontan zu einer privaten Aufstockung des städtischen Beleuchtungsauftrags entschlossen: "Wir werden das in enger Absprache mit dem Künstler umsetzen. Nicht verkünstelt, sondern so, dass die Skulpturen zur Geltung kommen." Das Heinz-Nixdorf-MuseumsForum, welches bereits zuvor mit einem umfangreichen Programm aufwartete, veranstaltet nun noch zusätzlich eine Cocktailparty. Ab 22.00 Uhr werden sich die Gäste nun zu den Klängen des Star-Schlagzeugers Chester Thompson an köstlichen Getränken erfreuen können. Eine perfekte Gelegenheit, die ersten Eindrücke der Museumstour auf sich wirken zu lassen und neue Kraft für die verbleibende Nacht zu sammeln. In der Städtischen Galerie am Abdinghof laufen bereits jetzt die Vorbereitungen zum Marilyn-Monroe-Foto-Shooting. Den Besucherinnen wird die Chance geboten, das berühmte Foto nachzustellen, auf dem die Monroe mit flatterndem Rock auf dem U-Bahn-Luftschacht steht. Ich bin gespannt, wie viele Frauen sich die Chance, einmal wie Marilyn auszusehen, nicht entgehen lassen möchten", erzählt Sabine Voss vom Kulturamt in freudiger Erwartung. Schachtgitter, Windmaschine, blonde Perücke und das luftige Kleid in verschiedenen Größen liegen bereit. Am Samstag können sich die Besucherinnen dann endlich in Schale werfen und das populäre Motiv nachstellen. Ein professioneller Fotograf wird bereitstehen, um das beste aus jedem Shooting herauszuholen. Im Untergeschoss der Galerie wird einer weiteren amerikanischen Ikone des 20. Jahrhunderts gehuldigt, nämlich John Cage, der im September vor 100 Jahren geboren wurde und im August vor 20 Jahren starb. „Selten kommen Witz und Weisheit so zusammen wie bei John Cage,“ weiß Markus Runte von der Städtischen Galerie und verspricht einen kurzweiligen Abend. Niemand habe auf Kunst und Musik mehr Einfluss gehabt als dieser „Guru der Künstler“, schrieb die Kunstzeitung zum Jubiläum. Anhänger sollen ihn in Anspielung auf einen großen Religionsstifter augenzwinkernd bei seinen Initialen „JC“ genannt haben. In der Galerie kommen seine berühmtesten Musikstücke zur Aufführung. Die klassische Pianistin Kirstin Hütterott und der Jazz-Pianist Georg Rox spielen „ASLSP“ („as slow as possbile“). Man darf gespannt auf die Unterschiede sein, und darauf, wer langsamer ist. Lea Maria Kruse, Vorzeigestudentin an der Gesangsabteilung der Uni Paderborn, führt die grafisch notierte „Aria“ auf, die ungeheure stimmliche Vielseitigkeit erfordert, um die Interpretation auszukosten. Gleichsam das berühmteste und radikalste Cage-Stück, 4’33’’, benannt nach seiner Dauer. Spontan haben Uli Lettermann (Saxophon), Toto Blanke (Gitarre), Claus Hütterott (Violoncello), Bernd Rößler und Antje Wenzel (Trompete, Gitarre) zugesagt – aus Liebe zur Sache alle unentgeltlich. Wie bei der Ruhrtriennale, die kürzlich mit Cages begonnen hat, bedarf die Cage-Aufführung, gerade weil vieles dem Zufall überlassen ist, der minutiösen Vorbereitung. Pianistin Kirstin Hütterott berichtet: „Cages Spielanweisungen sind mitunter durchtrieben, aber stets genau und durchdacht. Manche kann man nicht erfüllen. Sicher wollte er damit den Einfallsreichtum der Interpretin herauskitzeln.“ Damit die Zuhörer alles nachvollziehen können, werden in der Galerie auch die Noten ausgestellt, vor allem die schöne „Aria“. Die Freiheiten sorgten aber auch dafür, dass der Zeitplan sich nicht recht festlegen lässt. Insbesondere „as slow as possible“ kann Überraschungen bereithalten. Derzeit plant man ASLSP um 18.30 Uhr (K. Hütterott) und um 22.30 Uhr (G. Rox), dazwischen um 20.30 Uhr die „ Aria“ und um 20, 21 und 22 Uhr sowie um 21.30 Uhr 4’33’’. Das Paderborner Musikhaus „Musik aktiv“ bietet Noten und Souvenirs (T-Shirts etc.) rund ums Jubiläum an. Das Gesamtprogramm der Museumsnacht – ohne den Cage-Zeitplan – gibt es in Form einer Broschüre in allen beteiligten Museen und Galerien und im Internet unter www.paderborn.de.