Militärische Nutzung der Senne hat Vorrang
Bürgermeister Heinz Paus und Staatssekretärin Gudrun Kopp im Gespräch
Die militärische Nutzung der Senne hat Vorrang. Solange die britischen Streitkräfte und auch die NATO diesen Truppenübungsplatz benötigen, sind die Diskussionen um einen Nationalpark überflüssig. Darin waren sich Paderborns Bürgermeister Heinz Paus und Gudrun Kopp, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit, einig. Die Bundestagsabgeordnete aus Lippe hatte die Initiative für diesen Gedankenaustausch in Paderborn ergriffen, an dem auch Ralph Gerdes, Vorsitzender der FDP Schlangen, teilnahm. Kopp und Paus stimmten überein, dass eine Doppelnutzung der Senne als Truppenübungsplatz und Nationalpark nicht realistisch ist. Gudrun Kopp: "Das ist reine Träumerei." Zu einem möglichen Abzug der britischen Streitkräfte äußerten sich beide sehr verhalten, da über Einzelheiten des für 2020 angekündigten Abzugs kaum etwas bekannt ist. "Die Probleme der Planungsunsicherheit bleiben bestehen", stellte Gudrun Kopp fest. Kopp wird im Oktober im Rahmen einer OECD-Konferenz in London mit britischen Regierungsmitgliedern zusammentreffen und bei dieser Gelegenheit weitere Details zum möglichen Zeitplan des Truppenabzugs erfragen: "Der Abzug britischer Soldaten und ihrer Familien aus Paderborn und deren berufliche und soziale Integration in Großbritannien kostet Geld - das aber aktuell noch nicht im dortigen Haushalt eingestellt ist", weiß Kopp aus jüngsten Gesprächen zu berichten. Bürgermeister Heinz Paus verwies darauf, dass sich der Paderborner Rat bereits mehrfach mit dem Thema befasst habe. Heinz Paus machte außerdem an Zahlen deutlich, welche Bedeutung die britischen Streitkräfte für die Stadt haben: 373 Hektar Kasernengelände, fünf Kasernen, etwa 9.000 Militärangehörigen und Familien, 1.600 von ihnen genutzte Wohnungen und eine Gesamtfläche von 1.570 Hektar, die im Stadtgebiet militärisch genutzt wird. Diese Fakten stellten die Stadt Paderborn vor große Herausforderungen, so Paus. Die in Lage wohnende Bundestagsabgeordnete Kopp drückte angesichts demographischer Prognosen ihre Sorge über die Folgen von Bevölkerungsrückgang aus Teilen in OWL aus. Hier müsse insbesondere in ländlich geprägten Kreisen wie Höxter und auch Lippe gehandelt werden. Auch die Entwicklung des Flughafens Paderborn-Lippstadt und die drängender werdende Konkurrenzsituation durch den entstehenden Regionalflughafen Kassel-Calden wurden von ihr thematisiert. Sie lobte hingegen die Entwicklung der Stadt Paderborn. "Eine sehr attraktive Stadt mit einer starken Universität, die durch ihre Wirtschaftsstruktur Fachleute anzieht." Paderborn sei nach wie vor eine wachsende Großstadt. Im letzten Jahr seien etwa 1000 Einwohner hinzugekommen, so Paus. Es gäbe eine Rekordzahl an Arbeitsplätzen und ein gutes Miteinander von Stadt, Wirtschaft und Universität. Abschließend freute sich Gudrun Kopp noch über die Initiative der Stadt Paderborn, Fair-Trade-Town zu werden. Das sei eine sehr gute Idee, denn damit könne der Gerechtigkeit in der Welt ein Stück mehr zum Durchbruch verholfen werden.