Museum für Stadtgeschichte erhält besondere Dauerleihgabe
Anna Angreß übergab Ehrenring ihres Mannes
Das Museum für Stadtgeschichte im Adam-und-Eva-Haus hat durch die Vermittlung von Günter Bitterberg sowie Stadtarchivar Rolf-Dietrich Müller als Dauerleihgabe den Ehrenring der Stadt Paderborn von Erwin Angreß erhalten. Anna Angreß, Ehefrau des 2001 verstorbenen Ehrenringträgers, übergab den aus Gold bestehenden Ring nun an Museumsleiter Markus Runte. Die Stadt Paderborn verleiht Bürgern, die sich um das Wohl und Ansehen der Stadt auf dem Gebiete der Wissenschaft, im sozialen, wirtschaftlichen, politischen, schulischen, sportlichen Bereich oder im Verwaltungsbereich besonders verdient gemacht haben, den Ehrenring der Stadt Paderborn. Der Ehrenring besteht aus Gold und trägt das Wappen der Stadt. In den Ehrenring werden die Worte „Ehrenring der Stadt Paderborn“, der Name des Ausgezeichneten sowie das Datum der Verleihung eingraviert. Am 7. März 2001 wurde ein solcher Ehrenring durch Bürgermeister Heinz Paus an Erwin Angreß für seine Verdienste um die christlich-jüdische Verständigung sowie für sein ehrenamtliches Engagement über vier Jahrzehnte im Vorstand der Jüdischen Kultusgemeinde sowie für sein stetes Anliegen, das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte der Jahre 1933 bis 1945 wachzuhalten, verliehen. Erwin Angreß wurde am 16. Mai 1921 in Königshütte (Oberschlesien) geboren. 1940 kam er erstmals nach Paderborn, wo er im „Umschulungslager“ als Straßenreiniger und Müllwerker für die Stadt arbeiten musste. 1943 wurde er in das KZ nach Auschwitz gebracht. Hier wurde er von seiner Frau, die er ein Jahr zuvor geheiratet hatte, getrennt. Er sah sie nie wieder. Auch seine Mutter und seine Schwester sowie weitere Verwandte kamen in Konzentrationslagern ums Leben. 1945 wurde er in Bergen-Belsen von britischen Truppen befreit. Am Kriegsende kehrte Erwin Angreß nach Paderborn zurück, wo er seine zweite Frau Anna Angreß kennenlernte. Er widmete sich intensiv dem Wiederaufbau des jüdischen Gemeindelebens. 1961 wurde er Vorstandsvorsitzender der Jüdischen Kultusgemeinde Paderborn, 1986 deren Vorsitzender. Um ein deutliches Zeichen der Versöhnung zu setzen, gründete er im Juni 1987 mit evangelischen und katholischen Christen die „Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit“, deren jüdischer Vorsitzender er bis zu seinem Tod im Jahr 2001 war.