Den Blick für das Naturphänomen geschärft

Paderquellgebiet wurde nicht für UNESCO-Welterbe nominiert

© Stadt Paderborn

Das Land NRW wird nur mit der "Industrieellen Kulturlandschaft Ruhrgebiet" in das Rennen um die bundesdeutschen Vorschläge der künftigen UNESCO-Welterbestätten gehen. NRW-Bauminister Michael Groschek (SPD) hatte dies letzte Woche verkündet. Zum Projekt gehören mehrere Stätten zwischen Duisburg und Hamm, darunter der Gasometer in Oberhausen, die Wohnsiedlung Margarethenhöhe sowie der Landschaftspark Duisburg- Nord. Dieser Erweiterungsantrag für die Zeche Zollverein in Essen, die bereits Welterbe ist, sei ein richtungsweisender Vorschlag mit guten Chancen, so der Minister. „Diese Entscheidung des Landes zeigt, dass es für Projekte aus unserer Region schwierig wird, wenn Konkurrenz aus dem Ruhrgebiet dabei ist", kommentiert Paderborns Bürgermeister Heinz Paus das vom Minister veröffentlichte Urteil einer Experten-Jury. Die Bewerbung, das Paderquellgebiet als UNESCO-Welterbestätte anerkennen zu lassen, sei dennoch wichtig und richtig gewesen, so Paus. Sie habe den Blick geschärft für ein Naturphänomen, dessen Wert im Alltag mitunter in Vergessenheit geraten sei. "Wir werden die Aufmerksamkeit auf dieses einzigartige Juwel dauerhaft verstärken, weil es etwas Einmaliges ist und Paderborn einen unverwechselbaren Charakter verleiht“, so der Bürgermeister. Unter dem offiziellen Titel: "Urban Waterscape Paderborn" (urbane Wasserlandschaft Paderborn) hatte sich die Stadt im November mit dem Paderquellgebiet um die Anerkennung als Welterbestätte durch die UNESCO beworben. Die von der UNESCO geführte Liste umfasst derzeit 936 Welterbestätten in 153 Ländern, davon sind 725 Kulturdenkmäler und 183 Naturdenkmäler. Weitere 28 gelten sowohl als Kultur- als auch als Naturdenkmal. "Auch wenn die Kriegseinwirkungen auf Paderborn massiv waren und alle Mühlen zerstört sind, bleiben die Wasseranlagen Paderborns mit ihren unter- und oberirdischen Läufen und Flächen ein wichtiges Kennzeichen der Stadt", heißt es in der Begründung der Jury zur Ablehnung des Paderborner Vorschlages. Die Stadt pflege sie in angemessener Weise in ihrer heutigen, auf die 1950er Jahre zurückgehenden Form. Die Jury würdige dieses denkmalpflegerische Engagement des Antragstellers im besonderen Maße. Dem Projekt fehle allerdings die Herausstellung größerer Bedeutungszusammenhänge, etwa der Zusammenhang zwischen der Anlage von mittelalterlichen Kirchen, Klöstern, Pfalzen und Quellen, die über die lokalen Besonderheiten der Implementierung unterirdischer Wasseraktivität hinausgingen. "Der außergewöhnliche universelle Wert des Gartendenkmals der 1950er Jahre erscheint nicht im erforderlichen Maße gegeben. Es sind bereits mehrere "urbane Wasserlandschaften" im In- und Ausland als Welterbe gelistet (z. B. "Harzer Wasserwirtschaft", Kloster Maulbronn sowie Welterbestätten in China, im Oman oder im Iran), die eine deutlich höhere internationale Bedeutung haben“, so die Jury. Das Land NRW hätte zwei Vorschläge machen können, beschränkte sich allerdings nur auf die "Industrielle Kulturlandschaft Ruhrgebiet". Mit Paderborn hatten sich die Kaiserswerther Altstadt, das Benrather Schloß in Düsseldorf, Münster mit seinem Prinzipalmarkt, Krefeld mit den Bauten des Architekten Mies van der Rohe, das Bergische Land mit Deutschlands höchste Eisenbahnbrücke aus Stahl, der Müngstener Brücke, der Astropeiler in Bad Münstereifel und dem Fundort Neanderthal beworben.