Pferdekutschen im Paderborner Stadtverkehr

Paderborn mobil: Foto-Ausstellung des Stadtarchivs

© Stadt Paderborn

Pferdewagen auf dem Rathausplatz, die Westernstraße eine Hauptverkehrsstraße, ein großer Kreisverkehr am Westerntor, Apotheken, die als Tankstellen Autofahrer mit Benzin versorgen, und eine Straßenbahnverbindung von Paderborn nach Neuhaus? Was sich für viele Paderborner der jüngeren Generation wie eine verkehrte Welt anhören muss, ist Bestandteil der Paderborner Verkehrsgeschichte. Und die verkehrt im wahrsten Sinne des Wortes – und zwar als Foto-Ausstellung des Stadtarchivs in der Galerie "Bilderbogen" in der Stadtverwaltung Am Abdinghof. Die aufschlussreiche Schau unter dem Titel „Paderborn mobil“ – Von der Pferdekutsche zum motorisierten Massenverkehr hat Bürgermeister Heinz Paus jetzt eröffnet. Auch die jüngste Foto-Ausstellung des Stadtarchivs in seiner historischen Reihe sei wieder ein Hingucker, so Paus. Er dankte dem Stadtarchiv für die tolle Zusammenstellung und wünschte der Ausstellung viele Besucher. „Wie sich der Paderborner Stadtverkehr entwickelt hat, welche Konsequenzen die Motorisierung auf Paderborn hatte und hat, zeigen die 17 hier ausgestellten Bildtafeln mit rund 100 Fotografien,“ erklärte Rolf-Dietrich Müller, Leiter des Paderborner Stadtarchivs. Er freute sich sichtlich, mit dieser Ausstellung einen umfassenden historischen Einblick in die Entwicklung der Fortbewegung der Paderbornerinnen und Paderborner geben zu können. Er selber erinnerte sich auch an die Tücken der Entwicklung und sein damaliges Automobil, einem NSU 1200 C, „der des Öfteren zum Heißlaufen neigte und den Fahrer auch ab und an im Stich ließ.“ Bürgermeister Paus fügte hinzu, dass er sich noch an die Fahrzeugsegnungen erinnern konnte, die in der Vergangenheit ein beliebtes Ritual waren. Müller sprach Andreas Gaidt vom Stadtarchiv, der mit der Planung und Organisation der Ausstellung betraut war, und auch Manfred Leniger, ehemaliger Leiter des TÜV Paderborn, seinen Dank aus: „Er stand mit Rat und Tat zur Seite, wenn es darum ging, einzelne Automobile zu identifizieren; auch die persönlichen Erinnerungen seines Vaters Arnold an die Anfänge der Automobilisierung in Paderborn waren eine hilfreiche Quelle.“ Zu sehen sind neben einem nostalgischen Blick auf die Zeit der Pferde und Kutschen einige frühe Automobile vom Piccolo der Firma A. Ruppe & Sohn bis zum Wanderer W51 der Auto-Union nebst einigen Kuriositäten. Zugleich deutet die Ausstellung gekonnt die Entwicklung hin zu wachsender Mobilität an. In den 1920er-Jahren beginnt sich das Stadtbild auf den Straßen zu verändern: Motoren verdrängen die Pferdestärken. Als gegenläufiger Trend hierzu beginnt das Fahrrad seinen Siegeszug, der bis heute anhält und durch Verbesserung der Verkehrswege noch verstärkt werden könnte. Die Entwicklung macht aber auch vor ihnen nicht halt. Erst später setzt sich die Motorisierung bei den Nutzfahrzeugen durch, wie an einigen schönen Beispielen gezeigt wird. In der Wirtschaftswunderzeit revolutioniert sich der Verkehr, was auch Folgen für die Sicherheit hat; der Verkehr muss geregelt werden, Straßen neu gebaut. Im Stadtbild werden stetig Tankstellen sichtbar und der Öffentliche Paderborner Nahverkehr etabliert sich: Erkennbar an tollen Aufnahmen, die Straßenbahnen und Busse auf ihren Fahrten durch die Stadt zeigen. Auch diese Foto-Ausstellung wird, wie auch das erst kürzlich erschienene Libori Bildband, in Buchform erscheinen.