Elektrisierende Kunstwerke
50 Stromverteilerkästen werden von Künstlern neu gestaltet
In Paderborn sind viele Stromverteilerkästen bereits jetzt echte Kunstwerke. Doch nun kommt noch mehr Farbe in die Stadt – waren es bislang 85 auffällig gestaltete Kästen, so kommen nun noch 50 hinzu. Die Kunstaktion aus dem Jahre 2006 fand eine derart große Resonanz, dass es zu einer Neuauflage kommt. Verantwortlich für die neuerliche Aktion „Stromverteilerkästen als Kunstwerke“ sind in Zusammenarbeit die Paderborner Werbegemeinschaft, der Energieversorger E.ON Westfalen Weser sowie die Stadt Paderborn. Ab sofort werden auch viele der ansonsten eher unscheinbaren grauen Kästen außerhalb des Stadtkerns bemalt. Für das zweite „e.Kunst"-Projekt konnten zahlreiche namhafte Künstler gewonnen werden, die zum Teil auch schon bei der ersten Aktion mitgewirkt haben. Wieder werden die Verteilerkästen des heimischen Energieversorgers in den unterschiedlichsten Stilrichtungen und Farben künstlerisch gestaltet. In den nächsten Tagen und Wochen werden somit viele Künstler ihre Ateliers verlassen und an den Straßenrändern zum Pinsel, Spachtel oder zur Airbrush-Sprühpistole greifen. Auch für den Paderborner Kunstmaler Hermann Strätling ist ein Stromverteilerkasten zur neuen „Leinwand“ geworden. Strätlings Motiv ist recht außergewöhnlich – es ist das historische Brüderkrankenhaus St. Josef. Da der 79-jährige Paderborner Heimatkünstler seit Kindertagen an der Brüderstraße lebt, ist ihm sozusagen jedes architektonische Detail des Gebäudes bestens vertraut. Damit dieses markante Bauwerk in seiner ursprünglichen Form nicht gänzlich in Vergessenheit gerät, bildet er es nun ganz naturgetreu auf dem Stromverteilerkasten in der Brüderstraße ab – es entsteht also ein echtes historisches Schaubild, das bei vielen Paderbornern bestimmt Erinnerungen wach werden lässt. Strätling hat mit seiner Arbeit gerade begonnen. Der Künstler über Stil und Technik: „Meine Malerei fällt unter die Kategorie ,klassischer Naturalismus‘. Ich benutze deshalb stets ganz feine Pinsel.“ Dass diese Art der Malerei viel Zeit in Anspruch nimmt, versteht sich fast von selbst. Strätling – er gestaltete bereits 2006 zwei Kästen - wird also mehrere Wochen vor „seinem“ Stromverteilerkasten sitzen – auf einem alten Regiestuhl, den er aus seinem Atelier mit auf die Straße nimmt. Strätlings Kunst kann übrigens auch während der Libori-Festwoche bewundert werden. Ab dem 28. Juli stellt er 30 seiner „Paderborner Bilder“ im neuen Forum St. Liborius aus. Sein Lieblings-Motiv ist der Paderborner Dom. Jetzt malt Strätling bekanntlich das historische Brüderkrankenhaus St. Josef. Wer will, kann ihm dabei über die Schulter schauen. „Ich freue mich auf die Arbeit als ,Straßenmaler‘“, weiß er zu berichten. Hoffen wir, dass es Petrus in den nächsten Wochen gut mit allen Künstlern meint, denn die Spezialfarben können bei Regenwetter nicht verwendet werden. In Paderborn wird also in großer Vielfalt „e.Kunst“ praktisch über die ganze Stadt verteilt – das elektrisiert ganz sicher Bewohner und Besucher der Domstadt gleichermaßen. „Dass Stromverteilerkästen eine künstlerische Komponente darstellen, ist eine echte Bereicherung für unser Stadtbild“, freut sich Jan von Lübtow, Leiter des Amtes für Öffentlichkeitsarbeit und Stadtmarketing, über das Projekt und lobt das verschönerte Stadtmobiliar: „Die Kunstwerke tragen wesentlich zum positiven Image der Stadt Paderborn bei. Insbesondere vor dem Hintergrund des veranstaltungsreichen Sommers sei ein farbenfrohes und freundliches Erscheinungsbild besonders wichtig.“